Synergetik-Einzelsitzung: Der goldene Schlüssel

Die Klientin war jahrelang depressiv. Sie muß Erlebnisse abgeschpeichert haben, die es gilt nocheinmal anzuschauen. Dies kann auf der realen Ebene geschehen (Erinnerungen), aber auch auf der symbolischen Ebene. In dieser Geschichte wird sehr deutlich, mit welcher Weisheit das Unterbewußtsein ausgestattet ist, und daß es zur Selbstentfaltung und Selbstheilung drängt. Der synergetische Prozeß wird auch sehr gut sichtbar, durch den Kippunkt, in dem alles in eine neue Struktur umschlägt. Die neue Ordnung drückt sich auch durch die erweiterte Wahrnehmung aus.


Probesession (1. Einzelsitzung):


Liegend auf einer Matraze mit Augenbinde ... Tiefenentspannung mittels Text ...Treppe runter ... einen Gang mit Türen auftauchen lassen ... Was siehst Du?


Kl: Dieser Gang, das ist kein geschlossener Gang, er ist zur rechten Seite offen, wie bei der Partnach-Klamm, wo ich mal war. Da ist so ein reißender Fluß. Und da rum gibt es nur Türen auf der linken Seite. Sie sind aus Holz und sehen ziemlich schwer aus. Ich glaube, es ist Eiche - oder so.

Ich sehe nur die ersten zwei, weil dann der Gang einen Bogen macht. Aber dahinter sind, glaube ich, noch mehr.

Th: Gut. Laß dich mal von irgendeiner Tür anziehen. Entweder die ersten zwei oder, wenn du willst, kannst du auch weitergehen. Sage mir nur, welche du nimmst.

Kl: Ja, dann nehme ich mal die erste.

Th: Bleibe jetzt mal vor dieser Tür stehen, und gleich, wenn du diese Tür öffnest, dann kann sich da dein Unterbewußtsein ausdrücken. Du kannst etwas sehen oder erahnen, Erinnerung oder Phantasie oder was auch immer. Irgendein Thema tut sich auf. Was immer es für ein Thema oder eine Botschaft sein sollte, man könnte es auch mit einem Wort bezeichnen, einem Begriff. Und dieses Wort erscheint auf der Tür. Was steht da?

Kl: Baum.

Th: Gut. Bist du bereit, die Tür mit der Aufschrift „Baum“ jetzt zu öffnen?

Kl: Ja.

Th: Dann öffne sie, jetzt!

Das Knarren einer sich öffnenden Tür wird eingespielt.

Kl: Ich sehe jetzt die Krone eines Baumes. Ich kann in diesen Raum nicht reingehen, denn dann würde ich ganz tief runterfallen. Es ist mehr ein Fenster. Wenn ich runtergucke, sehe ich, daß es ganz tief runtergeht und unten ist dann der Stamm. Aber davor sind ganz viele Blätter.

Th: Probiere mal - es ist ja eine Phantasieebene - dich sachte runterschweben zu lassen.

Kl: (lacht) Ja, okay.

Th: Guck mal, wie es sich anfühlt, zu schweben. Hast du das Gefühl, du fällst schnell oder langsam?

Kl: Langsam. Ich kann mir alles in Ruhe angucken. Es ist ein schöner Baum, ich glaube, eine Kastanie.

Th: Sprich direkt mit ihm. Sage, du bist ein schöner Baum.

Kl: Hey, du bist ein schöner Baum.

Th: Auf dieser Ebene kann alles, was dir begegnet, auch antworten. Vielleicht antwortet dir der Baum. Höre mal, wenn er dir antwortet, was er dir sagt. (Jedes Bild entspricht einem eigenen inneren Energiemuster. Dieses steht mit allem in Verbindung - und kann daher auch antworten).

Kl: Er sagt, daß er weiß, daß er schön ist, aber er fühlt sich zu eng. Und außerdem sagt er mir noch, daß es nicht der richtige Platz für einen Baum ist, weil er in Licht und Sonne stehen möchte und nicht in einem solchen Loch. Alles ist mit Mauern umgeben, es ist wie eine Höhle, wo ganz viel Wasser von den Wänden tropft. Ja, es ist viel zu eng für den Baum, und es ist ein stattlicher Baum. (Baum steht symbolisch auch für Lebensbaum der Klientin, er wurde am falschen Platz groß. Die Klientin spricht also direkt in einer symbolischen Sprache über sich selbst. Doch hier geht es primär nicht um Reflektion, sie würde den synergetischen Prozeß eventuell sogar beeinträchtigen.)

Th: Wie ist es für dich, wenn du das so siehst?

Kl: Ich würde ihm gerne helfen, dem Baum.

Th: Dann sage es ihm.

Kl: Hey Baum, ich würde dir gerne helfen.

Th: Vielleicht hat er eine Idee, vielleicht kann er dir sogar sagen, wie du ihm helfen köntest. (Die innere Weisheit wird dadurch aufgefordert, sich kreativ auszudrücken).

Kl: Sage mir doch, wenn ich dir helfen kann, Baum, wie ich das machen soll. - Ich soll etwas finden, und wenn ich es gefunden habe - es ist etwas Goldenes - dann würden die Mauern von alleine wegfallen. Das muß so etwas wie ein Amulett sein, irgend etwas Goldenes.

Th: Ja. Bist du denn bereit, auf diese große Suche zu gehen? (Der synergetische Prozeß wird in Gang gesetzt, indem man immer der letzten Bemerkung, dem letzten Hinweis folgt. So enthält jeder Satz schon das Wort für die Richtung, die einzuschlagen lohnt).

Kl: Ja, weil der Baum sagt, daß ich es finden kann. Also, es ist keine ergebnislose Suche. Er selber kann es nicht finden, weil er da verwurzelt ist und sich nicht bewegen kann.

Th: Ja, das ist sehr symbolisch. Da, wo du verwurzelt bist - irgendein Teil in dir repräsentiert den Baum - da kannst du es nicht finden, und du begibst dich auf die Reise, dann fallen die Mauern weg. Willst du auf die Reise gehen, jetzt? Willst du dich auf die Suche machen?

Kl: Nein, ich möchte erst noch mehr von dem Baum erfahren: Lieber Baum, ich möchte es gerne für dich suchen, aber ich möchte vorher gerne noch ein paar Sachen wissen, z.B. wie es kommt, daß du da in diesem Verließ steckst, anstatt draußen auf der Wiese. Kannst du mir das sagen? - Also, der Baum ist traurig, weil er sich das ganz anders gedacht hat. Er wollte gar nicht da unten so groß werden und stattlich, sondern von Anfang an in einer tollen Wiese mit Licht und Sonne und Vögeln und alles mögliche.

Th: Darf ich einmal den Baum etwas fragen?
(Auch der Begleiter kann direkt mit dem Energiemuster sprechen und Fragen stellen, vorrausgesetzt die Klientin stimmt zu)

Kl: Ja.

Th: Ich würde gerne dich, Baum, bitten, daß du der R. zeigst, für was du stehst. Du bist als Baum ein symbolischer Ausdruck. Gibt es ein Erlebnis in R.’s Leben, das dazu beigetragen hat, daß du, Baum, in diesem Verließ lebst. Wenn ja, zeige ihr einmal das Erlebnis oder den Hintergrund davon. Schau mal, was jetzt kommt! (Ich wollte eine Querverbindung zur „Realebene“ ihrer Erinnerungen herstellen - doch die innere Weisheit ist stärker und verweigert. Diese Provokation ist immer erlaubt, denn man kann nichts falsch machen, da die Energiestruktur „bestimmend“ ist).

Kl: Mir ist nach Weinen zumute. Aber ich sehe jetzt kein Bild.

Th: Aber du hast das Gefühl des Baumes. Mache einmal folgendes: Sage zu dem Weinen: Weinen, ich nehme dich wahr. (Methode: Klaus Lange)

Kl: Weinen, ich nehme dich wahr. - Es tut dem Weinen schon gut, daß ich es wahrnehme.

Th: Dann sage es ihm. (Direkte Ansprache ist wichtig - die Energiemuster kommen so in die Integration).

Kl: Das tut dir, Weinen schon gut, daß ich dich wahrnehme. Das hat etwas mit einem Zauber zu tun. Der Baum ist irgendwie verzaubert worden. Er hatte es ursprünglich so geplant, auf dieser Wiese zu wachsen und groß zu werden. Und dann hat sich herausgestellt, als er anfing zu wachsen, daß dieser Platz, wo er sich angesiedelt hatte, mit einem Zauber belegt war. Und da hatte er schon die Wurzeln da drin, da konnte er schon nicht mehr weg, weil er dann unbeweglich war. Und dann fingen die Mauern an zu wachsen und er konnte sich nicht mehr dagegen wehren. Aber es ist ihm gelungen, trotzdem groß zu werden und stattlich, denn er konnte die Mauern durch seine Äste wenigstens so weit drücken, daß sie ihn nicht einschränken. Aber sie haben ihn so weit vom Licht und von diesen fröhlichen Sachen abgeschirmt. Aber er ist trotzdem schön und stattlich. Ich glaube, es ist ihm nämlich gelungen, durch seine Zweige Löcher in diesem Mauerwerk - also, man konnte da nicht drum herumbauen. Die Mauern, wie die von den Grund-festen hochgezogen wurden, da waren sie auch festgelegt, wie sie zu sitzen haben. Und weil er dann schneller war bei verschiedenen Ästen, konnten diese Mauern nicht ganz sein und so sind wenigstens ein paar Lücken geblieben. Da hat er auch die Möglichkeit, daß ich auch durch die eine Tür, die da war, reinkommen konnte und daß, wenn ich den Schlüssel finde, oder auch jemand anders, aber jetzt in diesem Fall ich, weil ich die erste war, daß er auch durch diese Löcher im Mauerwerk den Schlüssel bekommen kann. Dadurch kann dann alles zum Einstürzen kommen.

Th: Sprichst du jetzt von deinem Leben? Gibt es irgendwelche Mauern, die gesetzt worden sind? Und du hast es geschafft, die Mauern zuerst wegzudrücken und dabei deine erste Freiheit zu halten. Und wenn du den goldenen Schlüssel findest, löst sich die Mauer auf. Wenn du jetzt in dir den Schlüssel findest. Ja, wenn du willst, kannst du sofort auf die Suche gehen. Du mußt aber nicht. Wir sind heute ja nur beim Türen öffnen. (Die Klientin entscheidet immer, wozu sie bereit ist - dies gehört zur „inneren Weisheit“)

Kl: Nein, ich möchte gerne suchen. Ich habe das Gefühl, daß es gar nicht mehr lange dauert, bis ich ihn finde.

Th: Also, in den Bildern sieht es auch so aus. Der Baum ist groß und stattlich. Du kannst den Baum fragen, wie lange du dafür brauchst. Geht es schnell oder dauert es lange?

Kl: Nein ich habe irgendwie das Gefühl, daß ich den Baum nicht fragen brauche. Er weiß das irgendwie, daß ich den Schlüssel für ihn finde. Und wie lange es dauert, das weiß ich dann, weil es auch von mir abhängt. Der Baum kann mir nicht sagen, so lange brauche ich, weil ... indem ich danach suche, gibt er praktisch diese Suche an mich ab. Dadurch bestimme ich die Zeit. (“Innere Muster“ überlassen immer die Verantwortung - die Antwort - voll bei der Klientin/dem Klienten).

Th: Gut, welche Qualität würde dir helfen, diese Suche schneller oder leichter zu meistern? Frage ihn mal.

Kl: Ich weiß es schon. Und zwar mit einem Vogel. Es ist ein weißer Vogel, ich glaube eine Möwe. Sie hat mich sowieso mein Leben lang begleitet.... Sie kommt schon vom Zweig herunter und setzt sich auf meine Schulter.

Th: Begrüße sie mal auf deine Art.

Kl: (lacht) Schön, dich wiederzusehen.

Th: Sie hat dich schon lange begleitet? - Klientin bejaht. - Was war ihre Aufgabe?

Kl: Sie hat mich immer daran erinnert, daß es so schön ist zu fliegen (Klientin weint).

Th: Schau mal, deine Traurigkeit ist jetzt auch wieder da. Laß sie ruhig da sein, oder die Sehnsucht. Es ist schön, zu fliegen.

Kl: In den schwersten Zeiten meines Lebens da wollte ich nämlich kein Vogel mehr sein und habe auch alles aufgehört, was jemals etwas damit zu tun hatte. Das war die Zeit, wo ich ihn nicht mehr auf meiner Schulter habe landen lassen.

Th: Ist er dir jetzt böse deshalb?

Kl: Nein, er hat immer Verständnis gehabt für mich und ist mir auch hinterhergeflogen, sagt er mir jetzt. - (lacht) - Ich habe es nicht gemerkt, weil er hinter mir flog. - Sie soll es ihm direkt sagen. - Ich habe es nicht gemerkt, daß du hinter mir hergeflogen bist. Danke, daß du es gemacht hast.

Th: Schön, du warst nie alleine. Auch wenn du es nicht gemerkt hast, er war trotzdem da. - Wenn du willst, fliege einfach einmal. Erinnere dich, wie schön das ist. Frage ihn, ob du auf seinen Rücken darfst.

Kl: Wollen wir zusammen fliegen? Um den Baum einmal herum? Ja, er fliegt jetzt vor mir her und ich fliege hinterher. Wir fliegen jetzt um den Baum herum. Er zeigt mir verschiedene schöne Äste, wo man besonders leicht landen kann.

Th: Genieße es, zu fliegen. Schau mal, wie schön das ist. (Sie erlebt dadurch das Energiemuster „Leichtigkeit und Freiheit“. Diese Erfahrung wird mit einem Grundanker mittels leichter schöner Musik geankert.).

Leise Musik wird eingespielt.

Kl: Es ist ungefähr so, wie wenn man lange nicht mehr geflogen ist und es zum ersten Mal wieder macht, wie beim Fahrradfahren auch. Man merkt, man kann noch alles. Es ist zwar ein bißchen holprig, aber es klappt alles, und das ist total schön. - Und jetzt ist es so, daß ich mit dem Vogel verschmelze. Ich hole ihn ein und jetzt fliegen wir gemeinsam in einem Körper, so daß ich jetzt selber der Vogel bin. (Ihr Bewußtsein ist direkt in das Schwingungsmuster hineingegangen und dadurch hat sich in die Projektion „Vogel“ aufgelöst, denn es ist ja ihre ureigenste Energie).

Th: Ja, der Vogel ist ein Teil von dir, das entspricht auch deiner Energie, du wirst jetzt zu ihm. Dein Bewußtsein verbindet sich mit ihm.

Kl: Trotzdem ist es noch so, obwohl wir in dem gleichen Körper fliegen, daß ich mich mit ihm unterhalten kann und er mir Sachen zeigt und weiterhin erzählt, die ich noch nicht kenne, weil ich den Baum erst kennengelernt habe.

Th: Wenn du magst, gehe auf die Suche nach dem Schlüssel. Du kannst jetzt fliegen, du kannst Fragen stellen, wie du magst. Oder schau, was du sonst machen möchtest.

Kl: Ja, irgendwas fehlt noch. Ich kann noch nicht einfach so losfliegen. Ich glaube, ich brauche noch so die grobe Richtung, wo ich den Schlüssel finden kann.

Th: Frage doch den Vogel oder den Baum, ob du hinter den anderen Türen erst nachschauen solltest, ob du da noch etwas findest, das wichtig ist für dich. (Alle Schwingungsmuster sind miteinander verknüpft und „wissen“ somit, was wichtig ist).

Kl: Lieber Baum, soll ich erst noch bei den anderen Türen nachgucken, ob da etwas drin ist, das wichtig ist für den Schlüssel? - Ja, das soll ich machen. So, jetzt bin ich auf diese Türumrahmung zurückgeflogen und sitze da jetzt drauf.

Th: Ja gut, dann weißt du, was zu tun ist. Verabschiede dich jetzt von dem Baum mit dem Wissen, du kannst jederzeit wiederkommen. Sage ihm, daß du jetzt auf die Suche gehst, oder die anderen Türen noch nachguckst.

Kl: Lieber Baum, tschüß, ich komme bestimmt wieder. Ich gucke jetzt erst mal bei den anderen Türen nach, ob ich etwas finde, was mir bei der Suche nach dem Schlüssel weiterhilft. Der Baum rauscht jetzt mit seinen Blättern zum Abschied. Und er freut sich. Dadurch, daß ich jetzt als Vogel kleiner bin, kann ich auch durch den Gang fliegen. Als Mensch wäre ich zu klein gewesen, um da Flugbewegungen zu machen.
(Da die Klientin sich jetzt mit ihrer „inneren Leichtigkeit“ verbunden hat, kommt sie auch leichter voran).
Jetzt bin ich an dieser Biegung im Gang, wo ich auch nur die ersten zwei oder drei sehen konnte und stelle fest, daß die Türen anfangen, anders auszusehen. Es ist gut, daß ich fliegen kann, denn da ist kein Gang mehr, sondern es ist wie eine Felswand, wo die Türen eingelassen sind. Man kommt da gar nicht anders hin, als entweder zu fliegen oder sich mit einem Seil von oben herunterzulassen.

Th: Es ist so etwas wie, du brauchst die Fähigkeit zu fliegen, um überhaupt zu diesen Türen vorzudringen. Wie viele Türen sind da noch?

Kl: Ich kann nur eine sehen und da ist ein Gitterfenster eingelassen, so daß man da reingucken kann. Ich weiß, daß da noch welche sind, die sind anders geformt, ich glaube rund oder so. Aber ich glaube, die mit dem Fenster möchte ich mir angucken. Ich kann vor der Tür hochfliegen und durch das Fenster reingucken. Aber rein kann ich nicht. Die Gitterfenster sind zu schmal. Ich kann mich höchstens zwischen die Gitter draufsetzen.

Th: Dann schlage ich dir vor, bleibe vor der Tür stehen, laß wieder ein Wort auftauchen, das dir mitteilt, worum es hinter dieser Tür geht. Schau mal, welches Wort auftaucht. - Klientin nennt das Wort „Wüste“ - . Bist du bereit, die Tür zur Wüste, was immer das sein mag, zu öffnen? - Klientin bejaht und das Knarren einer sich öffnenden Tür wird eingespielt. - Was nimmst du wahr?

Kl: Es sind rotschimmernde oder orangeschimmernde Sandhügel. Aber Sand ist nicht das richtige Wort, irgendwie wie Gestein, und es schimmert so, wie wenn die Sonne untergeht. Es ist viel Öde da drin - es ist alles irgendwie so trocken, es ist braun, es ist überhaupt kein grün zu sehen. Und es ist ganz weit. Hinten ist zwar ein schöner Himmel, aber es ist irgendwie öde.

Th: Wie fühlst du dich da? Wie ist dein Grundgefühl? Sie ist jetzt in dem Schwingungsmuster ihrer „inneren Wüste“ - tote Bereiche, ohne Leben. Diese sind immer bei depressiven Klienten vorhanden.

Kl: Die Weite ist angenehm, aber daß alles so öde ist, das ist so unangenehm.

Th: Dieses unangenehme Gefühl soll sich mal umsetzen in dein Leben. Woher kennst du das? Das Gefühl soll dir einmal zeigen, wo es herkommt, wo es entstanden ist. Schau mal, welche Erinnerung hochkommt, jetzt. Die erste Erinnerung, die kommt.

Kl: Ich fühle mich irgendwie orientierungslos. Das ist unangenehm, denn ich möchte gerne wissen, was ich machen soll oder möchte.

Th: Woher kommt dieses Gefühl der Orientierungslosigkeit? Laß dir mal eine Erinnerung geben.

Kl: Es ist noch nicht lange her. Also kompakt könnte ich sagen, die letzten vier Jahre, aber ich war immer auf der Suche nach etwas, wo ich einfach fühle, daß es richtig ist. Ich habe es nie gefunden. Ich habe mich immer an Anderen orientiert. Ich dachte, daß sie es für mich wissen könnten. Es hat sich nie herausgestellt, daß sie es wissen könnten und jetzt habe ich allmählich angefangen, zu merken, daß niemand es so gut wissen kann wie ich selber. Aber trotzdem ist es noch nicht so, daß ich es jetzt gefunden habe und weiß, was richtig ist. (Sie suchte unbewußt nach dem „Schlüssel“).

Th: Aber du weißt, daß du die Einzige bist, die es finden kann.

Kl: Ja, und ich habe auch schon mehr Zutrauen darin gekriegt, es zu finden. Aber so, daß ich einen Energiestoß fühle und weiß, das ist es, das habe ich noch nicht. Da warte ich.

Th: Gut, dann gehe mal in die Wüste. Genau das ist es nämlich. Wenn du Zutrauen hast, dann trau dich in die Wüste. Geh rein! Du hast das Gefühl, es ist alles karg, aber die Weite ist da.

Kl: Ich möchte lieber wieder fliegen, denn es dauert mir zu lange, zu gehen.

Th: Guck mal, ob du es kannst, einfach aus deinem Entschluß heraus. Wenn du die Möglichkeit hast - dein Unterbewußtsein zeigt dir, ob du die Möglichkeit hast - dann fliege. Wenn du fliegen kannst, dann geht es. So einfach ist Wahrheit.

Kl: Ja, es geht, weil ich ja noch mit dem Vogel verschmolzen bin. Außerdem ist es da viel schöner, weil ich dann freier bin. Das Fliegen ist hier sehr schön, denn da ist ganz viel Platz und ich kann nirgendwo anstoßen. Ich brauche keine Rücksicht nehmen, daß ich auf irgendwas achten soll. Indem ich fliege, spüre ich, daß da unterschiedliche Temperaturen sind. Ich fliege jetzt gerade mit geschlossenen Augen und spüre durch die Flügel, daß es so richtig heiß ist, wie in der Sauna, dann wieder plötzlich ganz kühl oder kalt und dann richtig ein bißchen Wind, aber das ist gerade so wie ich jetzt fliege, wo sich das so ändert. Irgendwie kann ich durch das Wahrnehmen der Luft auch gleichzeitig die Stimmung, die in allem ist, auch wahrnehmen. Da ist immer noch dieses Schwere und Traurige und Tote.

Th: Dann sage doch mal: Schwere, Traurigkeit und das Tote, ich nehme euch wahr. Die polare Energie drückt sich durch, da sie mit ihrem Bewußtsein fliegt, sich aber im Schwingungsmuster von „abgestorbenem Leben“ befindet.

Kl: Schwere, Traurigkeit und das Tote, ich nehme dich wahr. Und jetzt sehe ich am Horizont, daß die Sonne aufgeht. Die ganze Zeit war es schon so dunkelrot, aber die Sonne war noch nicht hoch, aber sie kommt jetzt.

Th: Sprich direkt mit ihr: Sonne, ich sehe, wie du aufgehst. Dadurch, daß sie das „Schwere, Tote“, direkt anspricht, kommt auch die polare Energie ins Bewußtsein: die lebendspendende Sonne. Alle Aspekte müssen immer direkt angesprochen werden, dadurch integrieren sie sich.

Kl: Sonne, ich sehe, daß du jetzt aufgehst. Du bist ein Hinweis, Sonne. Sonne, sage mir bitte, was du mir zeigen möchtest. Sie zeigt mir ihre Strahlen - die gehen über die Wüste hinweg, sie strahlen auf etwas und ich soll praktisch jetzt an den Strahlen entlangfliegen und dann komme ich dahin, was wichtig ist. Jetzt suche ich einen Sonnenstrahl, der geht so schräg über den Boden und da ist auch wirklich alles ganz grau und öde. Da fliege ich jetzt dran entlang und komme zu einer Oase, aber die ist auch noch ganz schwermütig, aber da blinkt etwas. Es sieht aus wie der Schlüssel, wie dieses Amulett. Wie ich mich mit dem Baum unterhalten hatte, konnte ich sehen, wie es aussehen muß. Und das blinkt da jetzt, es liegt da mit einer Kette daran, obwohl ich es ohne Kette gesehen hatte. ... Trotzdem stimmt da etwas noch nicht. Ich kann das Amulett nicht einfach mitnehmen.

Th: Dann frage mal das Amulett, was du noch tun müßtest, damit du es nehmen kannst.
Die Kette symbolisiert noch Bindung, Gefan-genschaft, dies gilt es erst wahrzunehmen und zu intergrieren. Diese Bewußtseinsarbeit ist noch zu leisten, erst dann kann sie den Schlüssel mitnehmen und dadurch wird der Baum - also sie selbst frei, wieder lebendig.

Kl: Amulett, was muß ich tun, damit ich dich in meinen Besitz nehmen kann, damit ich dich zum Baum bringen kann? Also, der Lichtstrahl, dertrifft genau auf das Amulett - und da ist noch ein kleiner Lichtkreis drum herum - das ist das Einzige, was hell ist. Alles andere ist ganz düster und dunkel und auch traurig und schwer. Das Amulett meint, daß ich es erst dann mitnehmen kann, wenn alles andere auch in Licht getaucht ist, wenn die Wüste sich selber wiederbelebt. Dann darf ich es mitnehmen, weil das Amulett auch der Schlüssel für die Wüste ist. Und es ist wie festgewachsen auf dem Felsen, wo es liegt. Ich könnte es auch gar nicht mitnehmen.

Th: Du weißt, um was es geht, aber du bist noch nicht in der Lage, es mitzunehmen, solange es noch verhaftet ist. Welcher Bereich in dir müßte wieder lebendig werden, so könnte man wieder direkt fragen, denn auch die letzten Bilder sind ein Abbild von dir, von deinem Inneren. Irgendwas in dir ist noch Wüste, irgendwas in dir ist noch traurig und schwer, irgendwas in dir muß belebt werden, dann hast du den Schlüssel, dann ist der Baum frei, und der Baum steht wieder für dich, dann bist du frei.

Kl: Ja. Kann ich das Amulett fragen, was ich machen muß?

Th: Na klar. Jedes Schwingungsmuster gibt Hinweise, da es ein Teil - ein Fraktal - eines größeren Musters ist.

Kl: Hey, Amulett, was kann ich denn machen, damit ich die Wüste belebe und dich mitnehmen kann? - Hmm. - Liebes Amulett, ich kann es nicht verstehen, es ist zu undeutlich, oder es ist irgendwas, was darüberliegt, daß ich es nicht verstehen kann. Kannst du es noch einmal wiederholen, bitte? - Ich glaube, ich soll zu einem Brunnen fliegen, da ist etwas hineingefallen. Wenn ich es hochhole, dann geht alles automatisch. Ich fliege jetzt über dieses Oasendorf und sehe auch diesen Brunnen. Es ist so einer mit gemauertem Rand und einem Strohdach darauf. Er ist weiß angestrichen.

Th: Brunnen heißt auch, in die Tiefe gehen. Die Klientin muß noch tiefer in ihr Unterbewußtsein hinabsteigen, ins „Schattenreich“.

Kl: Ja, jetzt sitze ich auf diesem Mauervorsprung und gucke da rein. Es ist wirklich ganz schön tief. Das ist ein ganz schwarzer, langer Schacht. Ich habe auch das Gefühl, das kann gar kein normaler Brunnen sein. Das ist mehr so wie ein Tunnel.

Th: Und da müßtest du rein? Klientin bejaht nocheinmal. Und dann ginge alles wie von selbst? Wenn du dich in deine Dunkelheit hineintraust, geht alles von selbst! Du siehst, wie klar und deutlich es ist? Ich frage sie, ob sie jetzt dazu bereit ist, sie könne es auch verschieben. Sie will aber jetzt, sofort. Jetzt? Dann aber rein!

Kl: Irgendwie muß ich mich noch verändern. Also, ich werde jetzt gerade zu einem kleinen Äffchen, weil es dann leichter ist, da runterzufliegen. Ich kann nicht so gut senkrecht runterfliegen. Als Äffchen kann ich an dem Seil, das runterhängt, runterklettern. Jetzt bin ich so ein kleines weißes Äffchen und hangele mich an diesem Seil runter. Ich merke auch, daß ich gar keine Angst habe. Ich bin erstaunt, wie schön diese Brunneninnenwand plötzlich wird. Die ist zwar dunkel und düster, die ist aber nicht naß oder kalt, sondern einfach nur unbeleuchtet. Da sind in so vielen kleinen Nischen ganz wunderschöne Sachen, die man gar nicht so erkennen kann, weil es zu dunkel ist dafür. Aber irgendwie gucke ich sie mir nur ein bißchen an, denn sie sind nicht das Eigentliche. Es ist mehr so wie, daß ich es mit Staunen feststelle, weil ich es da nicht vermutet hätte. Das geht jetzt immer so weiter. Wenn ich dieses Seil runterklettere, drehe ich mich um dieses Seil spiralförmig.

Th: Geht es tief runter?

Kl: Ja. Nach oben kann ich jetzt nur noch so stecknadelkopfgroß Licht sehen. Aber er nimmt auch irgendwie kein Ende. Jetzt ist es nicht mehr schön. Jetzt ist es nur noch schwarz. Jetzt sehe ich nichts Schönes mehr an diesen Rändern, in diesen Nischen.

Th: Okay, sprich diesen Gang oder Brunnen oder Schacht wieder ganz direkt an.

Kl: Jetzt, Schacht, sehe ich nichts Schönes mehr in dir. Jetzt habe ich das Gefühl, daß sich der Schacht wandelt, als wäre ich in einem dieser Arme von einem Tintenfisch drin. Und es ist plötzlich etwas Lebendiges, wo ich drin bin, und kein steinerner Bodenring mehr.

Th: Guck mal, was du machen willst. Was ist dein Impuls? Was willst du tun? Ihre „inneren Impulse“ sind immer richtig, deshalb darf der Therapeut keine Richtung vorgeben.

Kl: Ich will zu diesem Inneren vordringen, von wo aus diese vielen Gänge ausgehen. Ich weiß jetzt, daß es nicht nur dieser eine ist, aber ich bin völlig in diesen Brunnen reingerutscht.

Th: Du willst also zum Zentrum vorstoßen? Sie wird wie von selbst, durch eine „innere Kraft oder Spannung“ angezogen.

Kl: Ja. Und jetzt bin ich im Zentrum drin und das ist sehr heiß.

Th: Drück es so aus: Hier ist es sehr heiß.

Kl: Hier ist es sehr heiß und es ist eng.

Th: Woran erinnert es dich? Gab es so einen Zustand in deinem Leben? Wenn ja, laß mal einen kurzen Moment lang ein Bild auftauchen. Diese Symbolebene muß sich durch Erfahrungen aus ihrem Leben gebildet haben.

Kl: Es hat Ähnlichkeit mit dieser Saunahitze. Als Bild sehe ich jetzt, daß es eine feuerrote Kuppel hat, so richtig mit Flammen ausgeschlagen, fast so wie eine Tempelkuppel. Unten herum ist aber alles schwarz und schwer wie Beton, so schlickähnlich und zähflüssig und unangenehm. Ich habe als Kind immer einen Alptraum gehabt, der kam immer wieder, und jetzt habe ich das Gefühl, obwohl es von den Bildern her nicht so die Ähnlichkeit hat, aber etwas Ähnliches ist es, dieser schwarze Schlick. Was ich in diesem Traum immer hatte, das waren wie bei Aufzügen, diese Seile, diese Stränge, und das hat Ähnlichkeit. Vom Gefühl her nur, nicht vom Aussehen.

Th: Sage diesem Schlick mal: Du bist früher schon in Alpträumen aufgetaucht, oder so. Rede direkt mit diesem Schlick.

Kl: Hey, Schlick, du bist mir schon in Form von diesen Aufzugsträngen in meinem Alptraum begegnet. Kannst du dich daran erinnern? - Ja, der Schlick kann sich daran erinnern, und er meint, daß er jede Form von dem annnehmen kann, was mit Angst zu tun hat, was mit Schmerzen zu tun hat, was unangenehm ist, und daß dieser Schlick nur eine seiner Daseinsformen ist. Und er sagt mir auch gleichzeitig, daß, wenn ich hinter den anderen Türen gucken würde, daß er da auch ist, aber daß er auch in anderen Formen da sein kann.

Th: Du bist jetzt gerade zum Wesenskern vorgedrungen und du würdest von jeder Tür aus genau dort landen. Klientin bejaht.
„Alle Wege führen nach Rom“, das „Unerlöste“ zieht an und kann sich in jeder Form ausdrücken - die „Begegnung“ wird normalerweise in der Außenwelt und mit Abwehr wahrgenommen, dabei braucht es doch nur im „Inneren“ aufgelöst werden.
Dann soll der Schlick doch, würde ich vorschlagen, etwas von seiner Welt erzählen, von seinem Geheimnis preisgeben. Du bist jetzt zu ihm vorgedrungen. Er will dir anscheinend irgendetwas zeigen, denn er ist dir als Kind schon im Alptraum erschienen. Ich würde dir vorschlagen, beschäftige dich mit ihm. Bitte ihn, er soll dir seine Welt zeigen.

Kl: Lieber Schlick, ich kenne dich ja schon von den Alpträumen früher. Kannst du mir zeigen oder sagen, was du mir damals schon immer sagen wolltest und zeigen wolltest? Ich bin jetzt hier, damit du es mir zeigen kannst. - Er freut sich darüber. Erlösung zeigt sich immer mit Gefühlen von Freude, denn Spannungsabbau ist immer mit angenehmen Gefühlen verbunden. Daher „freut“ sich ihr unerlöster Teil.

Th: Ja, klar. Er hat ja schon vor 20 Jahren immer nachts angeläutet, und jetzt bist du endlich gekommen. Natürlich freut er sich.

Kl: Und da, wo ich jetzt hingucke auf den Schlick, da schimmert es ein bißchen golden. Er sagt mir, ich soll mich auf ihn draufsetzen wie in eine Nußschale - es ist nicht so, daß ich da untergehe, ich klebe eher ein bißchen daran fest - und daß er mich so mit sich nimmt.

Th: Wenn du bereit bist, tu es. Sie geht dadurch noch direkter in dieses Energiemuster hinein.

Kl: Ja, das mache ich auch. Und jetzt fahren wir durch einen dieser Arme weiter durch.

Th: Dann schau mal, wo er dich hinführt. Er scheint dir ja irgend etwas zeigen zu wollen.

Kl: Jetzt haben wir die Arme hinter uns gelassen, sie sind oben irgendwie so aufgerissen, und wir lassen dieses Dunkle hinter uns. Das ist eine Mischung von blauem Himmel und grüner Wiese, das ist sehr schön.

Th: Das hast du nicht erwartet. - Klientin verneint - Sage ihm das.

Kl: Nee, das hätte ich gar nicht erwartet. Warum wollte ich denn damals nie mit, wenn das so schön ist? - Er sagt mir sowas wie, weil es nicht schön aussah, dachte ich, daß es auch nicht schön sein kann, daß ich dadurch Angst bekam. Daß es aber eine Notwendigkeit war, dieses Schwarze ... darauf zu vertrauen, daß es sich dann umwandeln kann in dieses Schöne, weil es auch gleichzeitig Schutz ist für dieses Schöne. Wenn es nämlich gleich schön wäre, würde jeder da reingehen können.

Th: Nur die Sucher, die wirklich bereit sind, oder die das Vertrauen haben, sich einzulassen, erleben das Schöne dahinter.

Kl: Ja, aber nicht so. Diejenigen, die da einfach so hinwollen, die kommen zwar auch durch diese Gänge, aber es ist genauso öde wie in der Wüste. Nur wenn man auf diesem Schlick reist, dann verwandelt sich das alles.

Th: Also, wer sich in dieses Unangenehme hineinbegibt. ...der kommt nicht darin um, sondern im Gegenteil, es verwandelt sich. Dadurch, daß der Mensch Energieerscheinungen in Gut und Böse aufteilt, produziert er Unangenehmes. Energie ist allerdings immer angenehm, denn wir sind ein Ausdruck von Energie.

Kl: Ja, dabei ist es gar nicht unangenehm. In dem Moment, wo ich mich hineinbegeben habe, hat es sich verändert. Da wurde aus diesem zähen schwarzen Schlick dieses tiefe Blau, das einen so umhüllt, das eigentlich auch nichts Schweres hat, sondern so etwas Weiches.

Th: Du hast gerade das Geheimnis der Synergetik entdeckt. Das ist dasselbe wie mit dem Frosch: Wenn du diesen glitschigen, ekligen Frosch annimmst, verwandelt er sich zum Prinzen. Es ist immer wieder dasselbe, wenn du das Unangenehme annimmst - du bist gerade dabei, einen Aspekt in dir, der unangenehm war, der sich im Traum so dargestellt hat, anzunehmen - dann verwandelt er sich, und an der Stelle bist du frei. An der Stelle trägst du ein Stück dazu bei, daß die Wüste wieder grün wird. Und wenn du jetzt in die Wüste gehen würdest, müßte irgend ein Stückchen grün geworden sein. Wenn du willst, mache es einmal. Gehe mit deinem Bewußtsein in die Wüste und guck, was sich dort verändert hat.

Kl: Oh ja! (lacht heftig) Überall sprießt Gras!

Th: Und jetzt hast du den Schlüssel entdeckt. Merkst du es?
Kl: Ja!

Th: So, und jetzt gehe hin, wo du willst.
Kl: Ja, ich fliege zuerst mal eine Runde über dieses Tolle da, mit der Wiese und Wasserfälle sind da. Das ist wie im Paradies! Es ist wunderschön.

Leise schöne Musik wird wieder als Grundanker eingespielt.

Th: Tu jetzt, was du möchtest. Es ist deine Welt, dein Paradies. Du bist der Herrscher davon. Das Paradies liegt in uns, nur bei den meisten Menschen ist es verschüttet und abgestorben - doch jeder kann es wieder aufwecken, denn Energie kann immer wieder ins Fließen kommen, wenn man das „festhalten“ davon aufgibt, die „verdrängten Anteile“ davon wieder ins Bewußtsein holt.

Kl: Ich fliege herum, und während ich herumfliege merke ich, daß das Gras in der Wüste immer mehr sprießt. Ich weiß, daß diese Wüste dabei ist, sich immer mehr in das Paradies zu verwandeln, und daß ich im Grunde an zwei Orten gleichzeitig bin. Indem ich herumfliege, bin ich in der Zukunft von dem, wo es jetzt am Sprießen ist. Ich weiß, daß ich gar nicht mehr zurückfliegen kann, denn während ich da fliege, merke ich, daß, indem ich zurückfliegen würde, würde ich genau wieder in dieses Paradies zurückfliegen. Denn während der Zeit, die mein Rückflug dauern würde, da ist alles schon so schnell gewachsen, daß ich wieder da ankomme, wo ich hergekommen bin.

Th: Der alte Zustand ist unwiederbringlich verloren. Es ist keine Wüste mehr in dir, du hast keine Chance mehr, dich zu erinnern, denn in der Erinnerungszeit würde es sich schon wieder verändern. Der neue Zustand - die neue Ordnung - ist stabil und lebendiger.

Kl: Ja, und indem ich jetzt nur noch in dem Paradies fliegen kann, einfach weil ich die Wüste als solche nicht mehr wiederentdecken kann, weil sie jetzt schon überwuchert ist mit Gras und diesen ganzen Pflanzen, sehe ich, daß auf einem dieser Steine der Schlüssel blinkt, daß er da ist, daß ich ihn mitnehmen kann.

Th: Schau mal, jetzt muß er lose sein. Sie hat ihre inneren Ketten ja aufgelöst!

Kl: Ja, das ist er auch. Ich nehme ihn in meinen
Schnabel und fliege weiter.

Th: Also, jetzt hast du den Schlüssel gefunden.

Kl: Und jetzt kann ich wieder zurückfliegen zu dem Baum.

Th: Wunderschön, ja.

Kl: Und auch dieses Tor mit dem Gitterfenster dran, gibt es nicht mehr. Das ist jetzt eine offene Klippe, wo ich in eine weite Tiefe vom Meer reingucken kann. Das, was vorher so sandsteinfarben war, ist jetzt so weißer, strahlender Marmor. Jetzt fliege ich darüber hinweg, und auch das, wo ich hergekommen bin, hat sich verändert. Dieser Gang, der mich an die Partnachklamm erinnert hat, da ist viel mehr Himmel drüber. Das ist nicht mehr dieses Gewölbe, es ist keine Klamm mehr. Und ich fliege jetzt daran zurück und da ist ein ganz schöner Baum. Obwohl ich ihm den Schlüssel noch gar nicht gebracht habe, weiß ich, daß es der Baum ist, dem ich den Schlüssel eigentlich bringen sollte. Die Mauern sind auch schon weg. Oh, das ist herrlich, um ihn herumfliegen zu können.

Th: Sage es ihm!

Kl: Es ist toll, daß ich jetzt um dich herumfliegen kann und meine Plätze und Äste wieder aufsuchen kann, ohne daß die Mauern da sind. Und ich weiß trotzdem, daß du es bist, daß du der Baum bist und kein anderer.

Th: Die Mauern in dir haben sich aufgelöst. Nimm es wahr. Der Baum ist ein Teil von dir.

Kl: Ich habe auch nicht mehr das Gefühl, daß da Türen sind, durch die ich noch gehen kann. Denn diese Mauern, die diese Türen eingefaßt haben, sind auch alle eingestürzt.

Th: Du bist jetzt vollkommen frei innerhalb deines Bewußtseins oder innerhalb deines Unterbewußtseins. Es gibt keine speziellen Eingänge mehr. Jetzt tu, was du möchtest, was immer du willst. Es ist deine Welt, dein Zuhause, dein Raum. Du bist ein Teil davon.

Kl: Ich hänge dem Baum den Schlüssel bei den untersten Ästen ganz herum, weil da auch die Kette ist. Und ich hänge ihn da lose dazu herum. Dieses Amulett glänzt und funkelt und strahlt aus und es ist richtig da an dem Ort. Der Baum schüttelt sich, er steht da und freut sich, daß der Wind so durch seine Blätter streichen kann und daß er nicht mehr wie üblich das Rauschen seiner Blätter herstellen muß, sondern daß er jetzt teilnehmen kann an allem, was da ist.

Diese neue Ordnung ist umfassender wie vorher,denn auch das Metamuster hat sich von selbst verändert, der Baum - als Bild ihres „Selbst“ ist befreit. Der „Baum“ muß nicht mehr „künstlich“ rauschen, es geschieht! Die Klientin erlebt dies als überraschende Bewußtseinserweiterung. Ihre Wahrnehmung ist erweitert und dies überträgt sich auch auf ihr Leben in der „Realwelt“, die immer mit der Innenwelt in Wechselwirkung steht. Die Klientin ist auf dem Weg, zu ihrem vollen Potential als Mensch zu kommen.

...Ich fliege jetzt zu dem Meer, das ganz in der Nähe ist, setze mich an den Strand und genieße, daß der Wind durch meine Federn fließt. Ich gucke mir die Wellen an und bin ganz
voller Dankbarkeit, daß ich den Schlüssel für den Baum finden durfte.

Meeresrauschen wird eingespielt.

Kl: Während ich da sitze, passiert Verschiedenes. Ich werde zum Beispiel zum Fisch und indem ich zum Fisch geworden bin und die Wellen mich mitgenommen haben, löse ich mich gleichsam auf und bin gleichzeitig alles. Ich bin nicht mehr nur der Fisch oder nur der Vogel. Ich bin alles.

Th: Ja. Wie fühlt es sich an, alles zu sein? Dein Bewußtsein befindet sich in allem.

Kl: Komisch, ich bin die Wellen, die über den Sand laufen und merke beides gleichzeitig. Einmal fühle ich mich wie die Welle und einmal wie der Sand und beides zu gleicher Zeit. Es ist so, als wäre ich ein riesiger Körper und würde alles fühlen könne.

Kommentar:

„Der goldene Schlüssel“ zeigt sehr deutlich die synergetische Strukturkippung und die im derterministischen Chaos enthaltene „innere Weisheit“, die sich in diesen „märchenhaften“ Bildern entfaltet. Auch alle Märchen transportieren eine „innere Weisheit“, die dem Zuhörer über die innere Identifikation mit dem Handelnden nahegebracht werden sollen. So wurden schon in früheren Zeiten auf der Symbolebene Handlungs- und Verhaltensmuster gelehrt.


C. G. Jung hat einen eigenen Beitrag über den Zugang zum Unbewußten als Vermächtnis hinterlassen und er hat dadurch in viele therapeutische Richtungen hineingewirkt. Sein Ziel war es, den Menschen zur Selbsterkenntnis zu verhelfen. Jungs Lebensphilosophie: Der Mensch wird erst dann ein Ganzes, in sich ruhend, produktiv und glücklich, wenn er seinen Individuationsprozeß abgeschlossen hat: Das Unbewußte und das Bewußte im einzelnen Menschen müssen sich allmählich gegenseitig kennengelernt, einander respektiert haben und so sich ergänzen. Ein Hauptzugang zum Unbewußten stellte für ihn der Trauminhalt dar, der nur ganz persönlich auf der Symbolebene für den Träumenden eine wichtige Bedeutung hat. Daher ist die Interpretation - also die Umsetzung (jungianische Analyse) - nur von individueller, aber großer Wichtigkeit.

In der Synergetik Therapie erlebt der Klient den direkten Kontakt und kann durch seine inneren Erfahrungen selbst - ohne Filter und Vermittler - individuelle wertvolle Erfahrungen machen, Erkenntnisse sammeln und gleichzeitig geschieht die Integration und Transformation mit direkten Auswirkungen bis auf die Wahrneh-mungsebene. In den synergetischen Innenweltreisen wird der Klient direkt berührt von dem „Grenzenlosen“, wie Jung es nannte. Der Klient kann die Faszination der Symbole als reale Welt erleben und dort alles „in grenzenloser Freiheit“ tun. Nach Jungs Auffassung ist das Unbewußte der große Helfer, Freund und Ratgeber des Bewußtseins: es ist kein Aufbewahrungsort für verdrängte Wünsche wie Freuds „Unterbewußtsein“, sondern eine eigene reale Welt als wesentlicher Bestandteil des individuellen Lebens. Dies kann die Synergetik Therapie nur sehr bekräftigend bestätigen. Es ist unglaublich, in welcher Differenzierung und Autonomie sog. „innere Instanzen“ und „Kollektivsymbole“ mitwirkend gestalten und dem Klienten jedoch immer die größtmögliche Entscheidungsfreiheit und Eigenverantwortung überlassen.

Die Trickfilme von Walt Disney setzen sehr erfolgreich uralte Weisheiten um: die Schöne muß das Biest annehmen, dann verwandelt es sich wieder zu einem Prinzen. Sie muß ihn lieben lernen - als Voraussetzung. Die erste Stufe dafür ist, akzeptieren und annehmen und sich erlebnisorientiert damit auseinandersetzen: das pragmatische Prinzip der Synergetik Therapie spiegelt sich hier wieder.

 

 

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