Synergetik-Einzelsitzung: Schutzengel

Klient (ca. 50 Jahre, erste Session) Links ist eine schwarze Tür. Da kommen zwei Sachen, erst ein Fragezeichen und dann das zweite: „das Geheimnis“.
Türknarren wird eingespielt


Kl: Es ist dunkel und still.

Th: Hm. Normalerweise gibt es einen Lichtschalter neben der Türe. Schalte ihn mal an. Fühle einfach mit der linken Hand nach, schau mal, was du siehst.

Kl: Das ist wie so ein alter, ich kann das gar nicht sagen, wie so ein alter Abstellraum, alles kreuz und quer durcheinander.

Th: Stöber mal herum und schau, was dir auffällt.

Kl: Das erste, was ich gesehen habe, war so das Mittelding zwischen einer Engelsfigur und meiner Buddha-Figur. Er sagt - ich bin dein Schutzengel, warum hast du mich hier eingesperrt.

Th: Ja, spür mal, möchtest du ihn wieder rauslassen, freilassen? Dein Schutzengel hat ja die Aufgabe für dich da zu sein. Schau mal und dann sag es ihm.

Kl: Ich bin wütend, zornig, traurig und auf der anderen Seite auch glücklich. Ich sage ihm - Du hast mir nicht geholfen, du hast mich im Stich gelassen. Wo warst du als ich dich gebraucht hab. Er sagt, ich war immer bei dir, auch wenn du es nicht gespürt hast und wenn du auch nicht mit mir geredet hast.

Th: Ist das so, daß er dir mehr hilft, wenn du ihn wahrnimmst oder soll er dir einfach helfen, ob du ihn wahrnimmst oder nicht?

Kl: Er sagt, daß mußte alles so sein und er hat das Beste, er hat das für mich getan, was richtig war, auch, wenn ich es nicht verstehe. ... Aber ich habe einfach das Gefühl, du hast mich im Stich gelassen. Du hast mich einfach im Stich gelassen und deshalb wollte ich dich nicht mehr sehen und nicht mehr hören.

Th: Möchtest du dir denn helfen lassen, jetzt sofort, oder möchtest du ihm noch ein bisschen grollen, sei ehrlich.

Kl: Ich bin froh, daß ich ihn wiedersehe, aber...

Th: Schau ihn an, sag es ihm ins Gesicht.

Kl: Es war alles so schlimm... darum ist es alles ... hm. Ich hab das Gefühl, daß dieser lange Raum ganz voll ist mit allem Möglichen und alles liegt kreuz und quer, daß das alles von mir ist und er sagt mir: Ich hab dir geholfen, das alles aus dem Weg zu räumen und du hast das gar nicht gesehen.

Th: Ah ja, er war also doch die ganze Zeit für dich da und was geschehen ist, war notwendig.

Kl: Ich möchte gerne alles anzünden und verbrennen. Zuerst war ein Benzinkanister da und eine Kerze und dann jetzt sagt er plötzlich: das brauchen wir alles gar nicht. Das brauchen wir gar nicht.

Th: Ja, wie machst du das oder ihr?

Kl: Wir stellen uns davor und machen ein Kreuz und einen Kreis, ziehen die Hände nach oben und alles ist weg und der ganze Raum ist wie neu, es brennen Kerzen drin.

Th: Wie ist dein Gefühl jetzt dort, wie geht es dir in diesem Raum?

Kl: Auf der einen Seite bin ich erleichtert, ist ja schrecklich so am Beginn dieses Raumes zu stehen und zu sehen, daß er ganz lang ist und voll mit all diesem Zeug und jetzt ist es einfach schön, diesen langen Raum zu sehen. Er ist rechts und links abgeteilt, da stehen Kerzen drin, vorn ist jetzt eine große Spiegelwand, ein großer Tisch.

Th: Hm, schau mal in den Spiegel, was siehst du?

Kl: Ich sehe mich mit dem Schutzengel hinter mir.

Th: (Klient weint) Ja, ist das Freude oder Traurigkeit, was da hochgekommen ist?

Kl: Es ist Glück und auch Traurigkeit irgendwo, soetwas wie Wiedersehensfreude.

Th: Ah, ja, zeig es ihm, er freut sich bestimmt auch.

Kl: Ich freue mich, daß du wieder da bist, daß ich dich wieder sehen kann. Und ich bitte dich um Verzeihung.

Th: Ja und spüre auch, ob du dir selbst verziehen hast, daß du ihn ausgesperrt hast.

Kl: Er sagt mir, daß das auch dazugehört und daß es gut so war.

Th: Ich habe gerade einen Verdacht. Hat dich dein Schutzengel hierher geführt, damit du dich wiederfindest?

Kl: Ja, und wir setzen uns hin und fangen an zu essen und zu trinken (Lachen) und er sagt, es wird wieder so sein, wie in den Tagen, bevor ich ihn vergessen habe.