Forschungsdokumentation aus Einzelsitzungen: Papa's Prinzessin Veröffentlicht: Juli 2000

Papa’s Prinzessin

oder

“Wie im Kopf ein neuer Papa entsteht“

von Bettina Kimpfbeck, Synergetik Therapeutin
mit Praxis im Kamala Zentrum

Diese Einzelsitzung ist ein schönes Beispiel für die Selbstähnlichkeit von fraktalen Mustern.

Ein aktuelles Ereignis am Arbeitsplatz der Klientin holte ein sehr tiefes Muster in ihr hoch - „Ich bin verlassen und allein, keiner versteht mich, niemand hält mich oder gibt mir Schutz. Ich habe solche Sehnsucht nach Verbindung.“ Das gleiche Muster zeigt sich in ihren Beziehungen, und ist natürlich schon in der frühesten Kindheit zu finden. Der Papa war nie für sie da, hat sie nie gehalten oder vor der beherrschenden Mutter beschützt. Auch auf der Körperebene ist der tiefe Schmerz über dieses Defizit sichtbar. Das Gefühl, „So kann ich nicht leben. Ich muß mich ganz steif machen und mir einen eigenen Schutzpanzer aufbauen.“ ist im Körper durch das Zugehen der Nase, sowie steife Beine und verspannte Rückenmuskeln repräsentiert. Erst durch die innere Konfrontation kann es zu einer Musterkippung kommen, die sich dann auf allen Ebenen vollzieht.

Meistens sind jedoch mehrere Sitzungen notwendig, bis ein Muster, welches sich seit den ersten Lebensjahren oder noch länger manifestiert und stabilisiert hat, dauerhaft in eine neue Ordnung kippt.

Die 48-jährige Erzieherin hat aktuelle Schwierigkeiten mit ihren Arbeitskolleginnen, insbesondere mit ihrer Chefin im Kindergarten. Sofort zu Beginn der Sitzung, noch während des Umlegens der Augenbinde beginnt sie verzweifelt zu weinen.

Kl: Ich lasse mich nur ausnutzen. Ich lasse mich von jedem nur ausnutzen. - Sie soll direkt mit ihren Kolleginnen sprechen. - Ihr habt mich noch nie verstanden. Das war schlimm für mich. Ich habe mich nämlich ganz alleine gefühlt, verlassen.

Th: Lass’ noch mal eine ganz konkrete Situation auftauchen, wo du dieses Gefühl von „unverstanden sein“ und „allein“ besonders stark fühlst. Guck’ mal, was als erstes hoch kommt.

Kl: Ja ... - Die Klientin fängt an zu weinen und hält den Atem an. Die Therapeutin fordert sie auf, tiefer zu atmen, damit der Energiefluss nicht ins Stocken kommt. - Wir feiern gerade dieses Abschluss Wochenende und ich habe das zum grössten Teil inhaltlich vorbereitet, aber wir feiern natürlich alle gemeinsam Abschied. Aber die anderen sitzen nur in der Küche und schwätzen und reden über mich und ich fühle mich total allein. - fängt wieder an zu weinen - Und dann ist noch was passiert. Später gehe ich in die Küche und dann sehe ich, dass die meinen Sekt getrunken haben, den ich von einer Kindergartenmutter geschenkt bekommen habe. Das ist schlimm. Ich finde das so gemein von euch. - schreit: Ich habe die geschenkt bekommen, nicht ihr. Das finde ich so Scheisse, echt. Es ist Scheisse, wie ihr mit mir umgeht. Ihr lasst mich ganz alleine und ihr schöpft dann die Sahne ab. Und ich hab’ die ganze Arbeit gemacht. Und ich mach’ sie auch noch immer wieder, ich Idiot. Immer wieder und immer wieder. Ich bin echt blöd.

Th: Geh’hin zu dir und sag’ dir das mal.

Kl: Du hast echt einen Knall, warum machst du das denn alles? Immer wieder und immer wieder. - weint verzweifelt - Du kennst das doch schon. - Die steht da und sagt, ich mache das halt, weil es mir Spass macht, mit den Kindern zu arbeiten. Da kommt ja auch ganz viel zurück. Und die Eltern sind mir so dankbar. Und ich spüre diese Dankbarkeit auch.

Th: Ja, spür’ das mal. Lass’ es mal richtig da sein in deinem Körper.

Kl: Ja, das ist total schön. Ich fühle mich so geliebt und so angenommen und das tut mir so gut und ich bin fast süchtig danach.- weint wieder sehr. - Ich sehne mich so danach, nach diesem Gefühl der Verbundenheit. Ich sehne mich so nach dieser Seelenverbindung. - Sie ist tief berührt, Musik wird eingespielt.

Th: Lass mal die Verbindung als Symbol oder Gestalt auftauchen.

Kl: Das ist eine Fee. - Ich habe Sehnsucht nach dir, totale Sehnsucht nach dir - weint - dass ich manchmal denke ich verhungere. - Die Klientin schreit verzweifelt: Hilf’ mir doch, hilf’ mir doch.

Th: Ja, geh’ mal hin zu der Fee und spüre den Schmerz und die Sehnsucht und deinen Hunger nach ihr.

Kl: Ich habe solche Sehnsucht nach dir.

Th: Frag’ sie mal, ob sie dir zeigen kann, wo die Verbindung abgerissen ist. Wo hast du sie verloren?

Kl: Diese Verbindung zu den Eltern und Kindern habe ich aufgegeben für ein anderes Projekt.

Th: Lass’ dir von der Fee noch mehr ähnliche Situationen zeigen. Da scheint vielleicht ein Muster drin zu stecken. Woher kennst du das noch aus deinem Leben, dass Verbindungen abreissen oder nicht da sind?

Kl: Ja, ja. Wie ich von zuhause weggegangen bin.

Th: Wie alt bist du, als du von zuhause weg gehst? Sei dort.

Kl: Ich bin 18. Mama, ich werde weg gehen. Und mir ist so schwer, weg zu gehen, weil ich weiss, dass ich dich verletze. Aber Mama, ich muss weg. Ich will mit Walter zusammen ziehen.

Th: Schau’ mal hin, wie sie im Gesicht aussieht.

Kl: Sie zieht eine Fresse. - Die Klientin wird trotzig - Ja, ich weiss, du willst nicht, dass ich mit dem Mann zusammen bin. Du verstehst mich nicht. Und ich nehme mir jetzt ein Zimmer, weil der Mann weiss nicht, wo er schlafen soll. Dann sind wir zusammen, immer. Ich habe gerade das Gefühl, dass ich ewig und immer mit ihm zusamen sein will. Ich weiss, dass er nicht arbeitet und ich weiss auch, dass er trinkt, aber ich schaffe das schon. - Ja, Mama, dir passt das nicht, ich weiss das. Ja, sie sagt, du rennst in dein Unglück, such’ dir doch einen ordentlichen Mann. Das wird doch nichts. - Mama, ich muss unbedingt mit dem zusammen sein. - wütend - Hör’ auf mit deinen Sorgen, du machst es mir damit nur schwer! Ich will jetzt in die Welt gehen. Ich will jetzt raus, ich will jetzt meinen Weg gehen. - Sie sagt, du wirst schon sehen, wo du damit hinkommst, wo du landest.

Th: Spür’ mal, wie es sich anfühlt, so weg zu gehen?

Kl: Das ist schlimm. - Sie soll direkt mit ihr sprechen. - Ich habe das Gefühl, Mama, du gönnst mir das nicht. Du weisst gar nicht, wie schön das ist mit Walter zusammen zu sein. Der gibt mir was ganz Wichtiges. - weint sehr - Der gibt mir nämlich Nähe.- weint verzweifelt - Der gibt mir Nähe und ich habe das Gefühl, dass ich wichtig bin für ihn und dass er mich braucht. Sogar zum Überleben braucht er mich. Ich fühle mich endlich mal wichtig und gebraucht!!! Und ich habe das Gefühl, dass der mich so nimmt wie ich bin. Weisst du, Mama, du meckerst ewig an mir rum und immer soll ich da sein und funktionieren und immer das tun, was du willst. Und nie bist du zufrieden. Ich weiss nicht, wie ich dich zufrieden stellen soll - das kann ich überhaupt nicht. Der Walter nimmt mich so wie ich bin. Ich bin so wie ich bin in Ordnung. Der braucht mich so wie ich bin und ich will für ihn da sein. Das tut mir total gut, das brauche ich einfach. Das verstehst du nicht, gell? Du verstehst nur, dass ich weggehe und dass ich dir als Arbeitskraft nicht mehr zur Verfügung stehe. - Die Therapeutin weist auf die Parallele zur derzeitigen Situation im Kindergarten hin und fordert die Klientin auf, ihre Chefin auch mit dazu zu holen. - Genau, das ist genau das gleiche. Komm her, Margarete. Du passt gut zu meiner Mutter. Als Arbeitskraft stehe ich nicht mehr zur Verfügung, wenn ich weg gehe. Ich bin für euch als Mensch völlig unwichtig. Echt, euch könnte ich beide in einen Sack stopfen. Ihr gehört zusammen. Ihr könnt’ nur einschränken, saugen, aussaugen, nutzen, benutzen und rum meckern vor allen Dingen. Ja, das könnt ihr gut. Aber das ist jetzt vorbei. Ich lasse mich nicht mehr benutzen. Ich will mein Leben jetzt selbst in die Hand nehmen und ich traue mich jetzt. Mama, du hast mich benutzt zum Arbeiten, dafür war ich dir gerade recht. Aber wenn ich mal was von dir wollte, was mir wichtig war, na ja, hab’ ich das natürlich nicht gekriegt. Nicht mal ein bisschen Verständnis.

Th: Wie im Kindergarten?

Kl: Genau. Und mehr wollte ich wirklich nicht. Ich wollte nur mal ein bisschen verstanden werden, angenommen werden, so wie ich bin. Aber das kann ich vergessen.

Th: Und, wie ist das für dich?

Kl: Scheisse! - Sie soll es den beiden wieder direkt sagen, um die Konfrontation zu erhöhen. - Das finde ich echt Scheisse und deswegen tu’ ich auch nichts mehr für euch - wenn da eh nichts zurück kommt. Mama - weisst du, das was ich für Walter tu’, das krieg’ ich wieder zurück. Ich geh’ jetzt in die Welt, dann könnt’ ihr mal sehen, wie das ist ohne mich. - Aber ich schleppe natürlich die Last meiner Mutter immer mit - diese Schuldgefühle, dass mein Papa Herzschmerzen hat, nachts, wegen mir. Ich bin schuld, wenn Papa stirbt.

Th: Hol’ ihn her und sag’ es ihm.

Kl: Papa, das tut mir leid, dass du Herzschmerzen hast wegen mir. Du musst dir keine Sorgen machen wegen mir, ich weiss schon, was ich tu’. Er sagt, nein, du weisst nicht, was du tust, du bist erst 18. Such’ dir doch einen anderen Mann. - Aber Papa, der tut mir gut, der tut mir so gut. Der gibt mir das Gefühl, dass ich gebraucht werde und dass ich wichtig bin und der nimmt mich so wie ich bin. Der gibt mir das Gefühl, dass ich echt wichtig bin. Papa, du hast mir nie das Gefühl gegeben, dass ich für dich wichtig bin. Und ich habe mich so danach gesehnt, dass du mal für mich da bist. - Er sagt mir, ich wäre schon für ihn wichtig gewesen, ich wäre doch sein Mädchen. - Das hast du mir nie gesagt. Das hätte ich mal gebraucht als Gegenpol zur Mutti, die mich immer nur rum bestimmt hat. - fängt an zu weinen - Ich habe nirgendwo Schutz gefunden, ich war ganz alleine, weisst du. Ich hatte immer das Gefühl, mich will niemand und ich bin nicht so in Ordnung wie ich bin.

Th: Hol’ das kleine Mädchen mal her, das so alleine und schutzlos ist und zeig’ es deinem Papa.

Kl: - ganz kleinlaut: Jaaaa. - weint - Ja, Papa, guck, die ist ganz alleine. Die hätte dich so gebraucht. Du warst nie da. Meine Nase geht jetzt zu.

Th: Sag’ ihm das auch.

Kl: Meine Nase geht zu und ich krieg’ keine Luft. Papa, das kleine Mädchen hier, das hätte dich total gebraucht, das hätte deinen Schutz gebraucht. Ich fühle mich heute noch ungeschützt und ausgeliefert. Ich habe das Gefühl, ich muss immer allen alles recht machen, damit ich geliebt werde.

Th: Wie reagiert dein Vater?

Kl: Papa, du bist ein bisschen hilflos, gell? Du weisst auch nicht, was du machen sollst.

Th: Wie ist das für dich, so einen hilflosen Papa zu haben?

Kl: Das ist Scheisse!!! - weint wütend und verzweifelt - Das ist ganz schön Scheisse, echt! Ich brauch’ dich doch! Papa!!!!! - Die Klientin ist total verzweifelt, weint und schreit - Papa, ich brauch’ dich so notwendig!!!! Papa!!!! Papa!!! - Sie hört plötzlich auf zu weinen.

Th: Was passiert gerade?

Kl: Ich merke, wie ich meine Beine versteife. Wie ich mich steif mache.

Th: Ja, erlaub’ das mal, mach’ die Beine mal ganz bewusst noch steifer und spür’ mal, was passiert.

Kl: Ja, dann spür’ ich nicht mehr so viel. - Sie soll es ihrem Vater erzählen. - Papa, ich mache mich jetzt ganz steif, dann spüre ich nicht so viel. - weint wieder - Aber da ist ganz, ganz viel Sehnsucht. - Die Klientin atmet schwer, die Nase ist ganz zu. - Papa, meine Nase ist schon wieder so zu. Ich kriege keine Luft mehr, ich kann nicht mehr atmen. Ich kann gar nicht mehr atmen. Ich brauch’ dich, Papa.- weint verzweifelt - Ich brauch’ dich so, ich brauch`dich so. - schreit - Ich brauch’ dich! - weint lange Zeit sehr - Papa, ich brauch’ dich so!!! Ich krieg’ keine Luft mehr.

Th: Wie ist das für ihn, reagiert er?

Kl: Papa, ich sehe, dass du deine Arme nach mir ausstreckst, aber da ist so ganz viel Hilflosigkeit in deinen Armen. Und da ist auch ganz viel Verzweiflung, irgendwie. Du weisst nicht, was du mit mir machen sollst, gell? Du hast so grosse Hände und kannst mich nicht halten.- Ich krieg’ keine Luft, Papa, ich ersticke. Und ich weiss nicht, wie es weitergehen soll. - weint - Wie soll das bloss weitergehen? Es ist alles so furchtbar, so ausweglos. - weint sehr - Es ist alles so aussichtslos. Ich kriege keinen Schutz. Mich kann niemand halten!!! Mich kann niemand halten. - weint total verzweifelt und heftig - Das ist dasselbe wie im Kindergarten. Mich kann niemand halten. Es gibt niemand, der mich halten kann.

Th: Wie ist das für dich, wenn dich niemand halten kann? Spür’ das mal.

Kl: Ich falle ins Unendliche.

Th: Ja. Und dein Papa soll sich das anschauen, wie du ins Unendliche fällst.

Kl: Papa, ich sterbe, ich sterbe, ich sterbe, ich kriege keine Luft, ich ersticke. Ich kann nicht mehr. Und ich habe mich schon wieder so steif gemacht. Meine Beine sind ganz steif.

Th: Sprich’ deine Beine direkt an.

Kl: Beine, ihr seid ganz steif. - Sie sagen, ja, wir müssen es ja auch durchstehen. Ja, alles durchstehen, bloss nicht spüren. Ich muss immer alles durchstehen. - weint wieder heftig - Das ist so furchtbar. Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr. Und niemand kann mich halten. - weint - Oh Papa, halt’ mich doch, ich falle, ich falle!!! Papa, halt’ mich doch bitte.

Th: Schau’ ihn an, wie nimmst du ihn wahr?

Kl: Papa, du bist gar nicht da, du guckst ins Leere. Du guckst ins Leere, du siehst mich gar nicht. Deswegen kannst du mich auch nicht halten.

Th: Hast du einen Impuls? Schau’ mal, was du tun kannst, damit er dich wahrnimmt.

Kl: Ja, ich hau’ den jetzt. Ich hau’ dich jetzt. - Die Klientin schlägt mit den Händen. - Du wirst jetzt da sein für mich! - Er hat sich so ein paar mal geschüttelt wie ein Pudel ... Papa, bist du jetzt da für mich, siehst du mich? - Ja, ich sehe dich. - Papa, du musst für mich da sein, weisst du das? Ich bin dein Kind, ich brauch’ deinen Schutz.- äfft mit träger Stimme den Vater nach: Ja, ja. - Die Klientin wird laut und wütend: Was heisst hier ja, ja?! Du musst für mich da sein, verstehst du das? Ich brauche deinen Schutz. Bist du da?

Th: Du kannst es ganz einfach testen. Lass’ dich mal halten von ihm und spüre, ob es sich nach Halt anfühlt oder nicht.

Kl: Du musst mich halten, ich krieg’ sonst keine Luft mehr. Du hast gar nicht mitgekriegt, wie schlecht es mir geht, gell? Aber weisst du, das ist mir jetzt scheissegal, du musst mich jetzt halten. Ich sorge jetzt dafür, dass du mich hältst. - Also, ich sehe jetzt, wie er die kleine Klaudia auf den Schoss nimmt. - Ich muss mal reingehen in die Kleine. - Papa, meine Nase ist noch zu, ich krieg’ noch keine Luft. - Du kannst gar nichts mit dem anfangen, was ich dir sage. Hörst du mir überhaupt zuhu? - Weisst du, du hältst mich jetzt zwar, aber du bist trotzdem nicht da.

Th: Akzeptierst du es, reicht dir das als Halt für dein Leben?

Kl: Nee. Papa, das reicht nicht. Ich brauche auch deine Aufmerksamkeit und ich brauche deinen wirklichen Schutz. Meine Nase ist immer noch zu. Ich ersticke, wenn du mich nicht hältst. - Och, du erstickst schon nicht, sagt er. - Die Klientin erwidert trotzig: Doch, ich ersticke, wenn du mich nicht hältst! Nimm mich gefälligst ernst, wenn ich dir das sage. - Jetzt sagt er, was soll ich denn machen? - Du sollst mir zuhören, sollst da bleiben, sollst mich halten, wirklich halten. Du sollst mich beschützen. - Er sagt, vor wem er mich denn beschützen soll. - Du sollst mich vor der Mama beschützen. Die Mama ist so böse zu mir. - Och, die Mama ist doch nicht böse zu dir. - Die Klientin wütend: Du glaubst mir nicht, nimm’ mich gefälligst ernst! Wenn ich dir das sage, dann stimmt das so. Du hältst mich, weil ich das will und nicht weil du das willst. - Eigentlich brauchst DU Halt und Schutz.

Th: Von wem?

Kl: Von seinem Papa. - Sie soll den Vater des Vaters dazu holen. - Opa, guck’ mal, der Papa braucht dich. Der braucht dich als Schutz. Der braucht deine Anerkennung. Das hast du nie mit gekriegt. Du hast den Papa auch nie so gewollt, wie er war und er hat sich so abgeschnitten, dass er mich nicht mehr wahrnehmen kann. Opa, du musst für ihn da sein, du musst ihn so annehmen, wie er ist. Das ist ganz wichtig. Das wirkt sich heute noch auf mein Leben aus - und jetzt bin ich schon 48 -, dass der Papa mich nicht beschützen konnte, weil er von dir nicht den Schutz gekriegt hat.

Th: Zeig’ ihm auch, dass deine Nase dauernd zu geht.

Kl: Hier, Opa, ich kann so nicht leben, ich habe dauernd das Gefühl, ich ersticke. Ich muss immer alles durchstehen, keiner hält mich und dem Papa ging’s genauso, der musste auch immer alles durchstehen und den hat auch niemand gehalten. Deswegen konnte der das nicht weiter geben. - Ja, das hättest du nicht gedacht und das wolltest du auch nicht. Ja, dann mach’ es jetzt anders. - Jetzt stellt er sich hinter meinen Vater. - Die Klientin atmet tief durch - Ja, Opa, gib’ dem Papa jetzt, was er braucht, gib’ ihm deinen Schutz und gib’ ihm deine Anerkennung. Sein ganzes Leben hat er sich abgemüht und gekämpft um Anerkennung, dabei hätte er nur deine Anerkennung gebraucht. Der Opa sagt, er hat nicht gewusst, dass er ihm das Leben so schwer gemacht hat und er würde es gern besser machen. Jetzt stellt er sich hinter meinen Vater und nimmt so eine Schutzhaltung ein. - Musik zum Ankern wird eingespielt. - Ja, Papa, das hast du gebraucht, gell?

Th: Guck mal, ob sich der Gesichtsausdruck, die Körperhaltung oder etwas anderes verändert an deinem Papa, wenn er jetzt Schutz und Anerkennung kriegt.

Hier beginnt das Muster zu kippen:

Kl: Ja, ja, Papa, du scheinst dich jetzt zu entspannen - obwohl du vorher auch ganz ruhig warst, aber das war eher so eine Starre. Und jetzt löst sich etwas in dir. - Klientin atmet tief durch und entspannt sich auch. - In meinen Beinen kann sich jetzt auch die Spannung lösen. - Musik wird eingespielt. - Oh, Papa, das hätte ich dir schon viel früher gewünscht, dass der Opa so für dich da ist. Ja, das ist, als würdest du auftanken. - Oh Gott, gib’ dem Papa, was er braucht, Opa. Ich habe die Oma jetzt auch noch herbei geholt. - Die Klientin atmet tief durch, Musik ... - Papa, du wirst immer jünger. - Ja, Papa, das hast du so lange vermisst, gell? - Musik läuft weiter - ... Wirken die Bilder eigentlich weiter, auch wenn man sie verliert?

Th: Frag’ sie doch.

Kl: Wirkt ihr eigentlich auch weiter, wenn ihr gerade mal nicht präsent seid? - Ja, sie sagen, wenn die Verbindung einmal geschaffen ist, dann wirken sie. - Oh ja, dann muss ich mich nicht anstrengen. Ich weiss, dass du Opa immer für Papa da bist und du Oma auch und dass ihr immer hinter ihm steht und ihn schützt. Ok., dann lasse ich das Bild jetzt los. - Die Klientin atmet tief durch. - Jetzt will ich mal gucken, wie es sich auswirkt. ... Der Papa kommt von der Arbeit heim. - Hallo Papa. - Er nimmt mich hoch. - Sie ist tief berührt und beginnt zu weinen. - Ich bin drei oder vier Jahre alt und er nimmt mich hoch und sagt, ja, da ist ja mein Mädchen. Und er dreht mich so und er freut sich, dass er mich sieht. Oh Papa, das ist so schön, das ist so schön, dass du dich auf mich freust und dass du mich siehst. ... Und wieso ist meine Nase immer noch zu? Papa, meine Nase ist so zu, ich kriege keine Luft. Er fragt mich jetzt, wieso ist denn deine Nase so zu? - fängt an zu weinen - Papa, ich muss dir erzählen, dass die Mama mich geärgert hat, die hat mich gehauen, weil ich Stefan (ihr kleiner Bruder) gehauen habe. Aber der Stefan hat mir weh getan und dann habe ich den gehauen und dann hat die Mama mich gehauen. Das ist doch gemein oder? - Er sagt, ja das ist gemein, das müssen wir der Mama sagen. - Die Therapeutin fordert auf, die Mutter in das Bild zu holen. - Ja, hier, das geht aber nicht, sagt der Papa. Was ist denn da heute vorgefallen? Die Mutti sagt, ja, die Klaudia hat den Stefan einfach gehauen. - Die Klientin wird sehr wütend: Ja und, der Stefan hat mich gepitzt!!!! Und das hat mir weh getan. Ich lass’ mich nicht nicht pitzen von dem. Deshalb habe ich den gehauen!!! - Der Papa sagt jetzt zu der Mama, ja, Mutter, das ist aber nicht richtig, dass du dann die Klaudia haust. Die hat sich doch nur gewehrt. Und jetzt sagt der Papa zur Mutti, Mutter, halte dich da einfach mal raus, die Kinder machen das schon richtig.

Th: Guck mal, er schützt dich gerade, er stärkt dir den Rücken.

Kl: Ja, danke, Papa. Und er sagt gerade zum Stefan, dass er mich nicht pitzen darf. Er hat mich jetzt auf dem Schoss.

Th: Wie fühlt sich das jetzt an?

Kl: Ja, jetzt fühle ich mich gehalten. Und ich spüre jetzt im Rücken Muskeln, also, da ist Muskelbewegung jetzt da - Muskeln, die festgehalten waren. Meinen Schutzpanzer spüre ich jetzt ganz deutlich, dieses „sich schützen müssen“.

Th: Ja, du hast versucht über die Anspannung deiner Muskeln, dir selbst den Halt und den Schutz zu geben.

Kl: Ja, Papa, guck mal, ich hab’ mir einen Schutzpanzer gemacht, weil mich niemand geschützt hat. Da hätte jeder draufhauen können, da hätte ich nichts gespürt. Aber den kann ich jetzt loslassen.

Th: Ja, dann lehne dich jetzt mal bewusst an deinen Papa und spüre mal, ob du diese Muskeln jetzt wirklich loslassen kannst.

Kl: Ja, das ist noch nicht so einfach, weil das ist so Gewohnheit, mich immer zu versteifen - ich merke halt nur, dass ich sie jetzt loslassen könnte.- Sie soll es dem Papa mitteilen. - Papa, ich merke jetzt richtig, welche Muskeln zu meinem Schutzpanzer gehören und dass ich die jetzt loslassen kann, wenn du mich hältst. Papa, ich kann die aber nur loslassen, wenn du für mich da bist, wenn ich mich darauf verlassen kann, dass du immer für mich da bist. - Und, kann ich mich drauf verlassen? - Er sagt „ja“ und drückt mich fest an sich. - Also, meine Beine sind jetzt auch entspannt, aber meine Nase ist immer noch zu. - Sie sagt es ihm direkt. - Wieso kann ich immer noch nicht ganz loslassen?

Th: Er soll dir zeigen, was noch fehlt.

Kl: Ja, Papa, ich will wissen, was mir noch die Luft abdrückt. Papa, bleib da. Ich kann manchmal nicht so wahrnehmen, wie du reagierst.

Th: Ja, spür mal, wie stark die Verbindung zu deinem Papa jetzt da ist.

Kl: Ja, im Moment ist es ganz schön, so auf seinem Schoss, aber die Sehnsucht und den Schmerz spüre ich viel mehr als die Verbindung.

Th: Kannst du diesen Schmerz und diese Sehnsucht jetzt noch mehr erlauben, während du auf seinem Schoss sitzt und von ihm gehalten wirst?

Kl: Ja. ... Papa, ich habe so Sehnsucht nach dir gehabt, so totale Sehnsucht.

Th: Ja, erzähle ihm davon.

Kl: - beginnt zu weinen - Ich habe dich so gebraucht und so nach dir gesucht. Ich hab’ dich so sehr vermisst. - Ja, sagt der Papa, da ist noch viel Schmerz und es tut ihm so leid. Er wollte nie, dass es mir so geht, er hätte das alles nicht gewusst.

Th: Ist er denn bereit, dich jetzt hier in deinem Schmerz zu halten?

Kl: Hältst du mich, wenn ich jetzt so traurig bin? Bist du wirklich bei mir und haust nicht ab? - Ja. - beginnt zu weinen - Oh Papa, weisst du, ich bin ja irgendwie durch gekommen, aber nur indem ich mich tot gemacht habe und steif gemacht habe, mir einen Schutzpanzer in meinem Rücken angeschafft habe. Den Schutzpanzer hast du ja auch gehabt, gell? - Ja. - Wie du dann alt warst, hast du einen Buckel gehabt, das war dein Schutzpanzer. - Ja. - Aber den brauchst du jetzt auch nicht mehr. Jetzt bist du ganz gerade. - Ich habe jetzt seine Aufmerksamkeit, ich kann das spüren. - Ja, ich kann das jetzt spüren, dass du jetzt ganz für mich da bist, dass ich dein Mädchen bin. - Musik zum Ankern wird eingespielt. - Und wieso ist meine Nase noch immer zu, Papa? - Er sagt, da stecken noch ein paar Tränen drin. Ja, das kann ich mir auch gut vorstellen. Papa, weisst du, wenn ich dir erzähle, was ich alles erlebt hab’... weisst du, ich konnte mein Leben lang nicht richtig für mich sorgen. Ich habe ständig geguckt, dass es den anderen gut geht. Ich habe mir einen Mann gesucht, dem es auch schlecht ging, wie dir, und dann habe ich für den gesorgt, so wie ich gerne für dich gesorgt hätte. Ich hab’ mir das Leben ganz schön schwer gemacht. Und immer wieder habe ich die Sehnsucht gehabt nach dir, die Sehnsucht, einfach so angenommen zu sein, wie ich bin. - weint wieder sehr - Weisst du, das Gefühl, dass ich so in Ordnung bin, wie ich bin. Ich habe immer gedacht, ich bin verkehrt und ich muss ganz viel machen, damit mich überhaupt jemand liebt. Jetzt geht meine Nase schon wieder zu. Papa, merkst du, wieviel Schmerz da noch ist - wieviel Schmerz von „nicht gehalten sein“ und „allein gelassen sein“. Das habe ich alles weg gedrückt. Das konnte ich nicht erlauben, das war einfach zu viel, alles. Es war alles zu viel, was ich mir angetan habe. - Musik wird eingespielt. - Er sagt, ich soll es ihm ruhig erzählen und er wird mich dabei halten. Ja, das ist schön, Papa. Ich muss gar nichts tun und du bist trotzdem für mich da. Ja, sagt er, du bist doch mein Mädchen.

Th: Wie fühlt sich das an - sein Mädchen?

Kl: - weint tief berührt - Das ist schön. - ... Papa, und warum krieg’ ich schon wieder keine Luft? Und schon wieder mache ich die Beine steif? Papa, hilf mir doch, dass ich mich nicht immer steif machen muss. Mein Papa sagt, das braucht einfach noch seine Zeit und da sitzen auch noch viele Tränen. - Ja, die tausend Male, wo ich mich ausgeliefert gefühlt habe ...

Th: Oh ja, zeig’ ihm doch mal die momentane Situation im Kindergarten.

Kl: Ja, Papa, gerade geht es mir so im Kindergarten. Ich fühle mich der Willkür von meiner Chefin ausgeliefert. Das ist genauso, weisst du, wie ich mich immer der Mutti habe ausgeliefert gefühlt. Die konnte mit mir machen, was sie wollte. Das gleiche Gefühl habe ich bei meiner Chefin. Kannst du mir da nicht mal helfen? Ja, der Papa sagt, ich bin gar nicht ausgeliefert. Er sagt jetzt, such’ dir doch eine andere Stelle, du bist so gut, du kriegst überall was. - Und er sagt, du bist auch der Mama nicht ausgeliefert, ich bin doch da. - Ja, das ist gut, dass du endlich da bist. Papa, das ist so gut, dass du jetzt da bist, ich brauche das so. Ich brauch’ dich so notwendig. Er sagt, es kann nur besser werden und er hilft mir. Jetzt hat sich was in meinem Körper gelöst. - Die Therapeutin macht den Vorschlag, in eine bevorstehende schwierige Situation im Kindergarten zu gehen und den Vater mit zu nehmen. - Oh ja, Papa, du brauchst mir nur mit deinem Schutz zur Verfügung stehen. Alleine, wenn ich nur das Gefühl habe, dass ich deine Prinzessin bin, dann kann mir schon nichts passieren. Papa, bin ich deine Prinzessin? - Ja. Er würde alles für mich tun. Ja. - Du würdest alles für mich tun. Dann geh’ mit mir in die Situation (Bewerbungsgespräch für eine leitende Position). Gib’ mir einfach nur den Schutz und alles andere wird dann schon richtig aus mir raus kommen. Es kann gar nichts passieren. Jetzt kommt Günter (ihr Freund) und sagt, es ist doch alles nur ein Spiel. - Das fühlt sich so leicht an. Leichtigkeit, ich spüre dich, Weite, ich spüre dich. Es ist alles nur ein Spiel. - Günter, schützt du mich auch? Er sagt, ich bin immer für dich da, wenn du mich brauchst. Und wieso fühle ich mich von dir nicht gehalten? - Er sagt, ich halte dich doch. - Ja, aber da ist keine Kraft dahinter. Guck mal, wie mein Papa mich hält. - Er sagt, ich bin aber nicht dein Papa.

Th: Kann es sein, dass du da bisher was verwechselt hast - dass du von deinem Freund immer das haben wolltest, was du von deinem Papa gebraucht hättest? Frag’ mal deinen Papa.

Kl: Papa, kann das sein, dass ich vom Günter was erwarte, das du mir nicht gegeben hast? Ja, er sagt, das suche ich eh in jedem Mann. - Heisst das, wenn du mir das jetzt genügend gibst, dann suche ich das nicht mehr in den Männern? - Ja. - Also, meine Beine sind jetzt entspannt und im Rücken zucken die Muskeln. Ich übe jetzt jeden Tag die Prinzessinnen-Haltung.

Th: Ja, mach’ das jetzt mal.

Kl: Ja, und dafür brauche ich andere Muskeln als euch, ihr könnt’ jetzt ruhig loslassen. Ja, und die anderen müssen jetzt was tun da hinten - die sind das überhaupt nicht gewohnt. - Ich bin Prinzessin. Und wenn ich die Prinzessinnen-Haltung einnehme, dann atme ich auch viel mehr - automatisch geht die Brust so auf. - Die Klientin atmet tief durch. Musik zum Ankern wird eingespielt. - Ja, das fühlt sich toll an. Mama, ich bin dem Papa seine Prinzessin. Der Papa beschützt mich. - Und jetzt gehe ich vor den Spiegel, ich bin so 10, 11 Jahre alt. Und jetzt gucke ich, wie ich aussehe. Ich sehe so schön aus, ich gefalle mir. Mama, wie sehe ich aus? - Ja, sie sagt, du bist schon ein hübsches Mädchen, aber werde bloss nicht zu eitel. - So ein Quatsch. Ich bin die Prinzessin vom Papa und ich bin was ganz besonderes. - Jetzt schreit sie „Hans (der Vater), jetzt hast du was mit ihr gemacht, da hast du ihr jetzt aber einen Floh ins Ohr gesetzt! - Die Klientin lacht vergnügt. - Ja, ein schöner Floh. Mein Krönlein glitzert.

Th: Ja, und jetzt geh’ doch auch mal mit diesem Krönlein nochmal in den Kindergarten - in das Bewerbungsgespräch.

Kl: Ja, ich bin die Prinzessin. Papa, guck mal. Ich spüre so ein zärtliches, totales Angenommensein. - Ja, Papa, jetzt ist auch die Nase wieder frei. - Jetzt spür’ ich meinen Papa im Rücken. Ich spüre Kraft und Wärme. - Musik - Ja, Papa, das ist schön. ... Ich fühle mich leicht und frei und offen und ich kann genug atmen. Ich bin ein bisschen aufgeregt. Ja, und die stellen mir nur ganz wenige Fragen. Papa ist da und ich merke, dass es gar nicht um die Fragen geht und um die Antworten, sondern dass die mich energetisch wahrnehmen. Die wissen einfach, dass ich geeignet bin. - Krieg’ ich die Leitungsstelle? - Ja, sie halten mich für voll fähig. Papa, du bist stolz auf mich. Mein Papa ist bei mir und ist für mich da.

Kl: Jetzt sagt meine Chefin, so einen Papa hätte ich auch gerne gehabt. - Ja, dann musst du halt zu ihm gehen und musst das klären mit ihm. Jeder kann seinen Papa in sich selbst verändern.