Märchensymbolik und synergetische Innenweltreisen

Veröffentlicht: Juni 1999

Klient litt jahrelang unter psychischen Problemen und hatte auch schon einen freiwilligen psychiatrischen Aufenthalt hinter sich. Er steht mit seinem Arzt in ständiger Verbindung, der die Synergetik Therapie sehr skeptisch betrachtet. Er schrieb folgenden Brief:

Nach meinem Besuch bei Euch im Kamala und der Probesitzung hat mich der Alltag wieder voll in Beschlag genommen.

Trotzdem spüre ich eine gewisse Veränderung: Mehr Gelassenheit und eine stabilere positive Grundhaltung, wenn Probleme auftauchen.

Die Erlebnisse bei der Probesitzung haben mich voll überzeugt und zu einem Gleichnis inspiriert. Vielleicht gefällt es Euch.

Mir ist auch klar geworden, daß jedes Märchen im Grunde ein Bericht einer erfolgreichen do-it-yourself-Synergetik-Therapie ist. Die Übereinstimmungen zwischen den Handlungsabläufen beim Märchen und bei der Synergetik Therapie sind beeindruckend.

Ein König regiert über ein großes Land mit vielen Provinzen. Im allgemeinen herrscht Friede in seinem Land bis auf eine unzulängliche Bergregion, von der immer wieder Unruhen und Aufstände ausgehen, die auf die umliegenden Provinzen übergreifen.

Der König schickt seine Ordnungskräfte aus, um diese Region zu befrieden. Aber Polizei und Militär können in dieser unzugänglichen Bergregion nichts ausrichten. Sie müssen sich darauf beschränken, ein Übergreifen der Unruhen auf das Umland zu verhindern.

Schließlich entschließt sich der König zu einem ungewöhnlichen Schritt: Er wird diese Bergregion zusammen mit einem erfahrenen Bergführer bereisen und sich vor Ort informieren, was die Bewohner dort zu ihren ständigen Unruhen treibt.

Das Unternehmen scheint gefährlich und schwierig zu sein. Es exsistieren keine Landkarten von diesem Gebiet. Auch der Bergführer hat keinen konkreten Plan wie man vorgehen sollte. Er hat lediglich Erfahrungen darüber gesammelt, wie man in solchen Regionen auf die Begegnung mit den Bewohnern reagieren sollte. Er weiß, daß dort nicht nur Menschen, sondern auch die Tiere, die Pflanzen und sogar die Gegenstände, reden und Auskunft geben können.

Er weiß, daß man auf Bewohner treffen wird, die die Besucher freundlich empfangen, die schon lange auf diesen Besuch gewartet haben, die sogar ihre Mithilfe bei dem Unternehmen anbieten. Diese Mithilfe sollte man dankbar annehmen.

Er weiß aber auch, daß man auf Bewohner treffen wird, die sich feindselig und kriegerisch gebärden, die die Mithilfe verweigern, die die Eindringlinge mit dem Tode bedrohen. Aber auch mit ihnen kann man reden. Wenn man sich ihre Vorwürfe über die Zustände im Land anhört, kann man wertvolle Informationen gewinnen und sie besänftigen. Notfalls muß man auch mit ihnen kämpfen. Aber dieser Kampf ist symbolischer Natur. Letztlich wollen sie auch mit ihrem König in Frieden leben.

Gleich zu Beginn der Reise macht der König eine eigenartige Entdeckung: In diesem Land ist die Zeit stehengeblieben.

Vergangenheit und Gegenwart exsistieren gleichberechtigt nebeneinander.

So sind auch alle Gesetze, Verordnungen und Erlasse, die der König seit dem Beginn seiner Regierungszeit herausgegeben hat und die er selbst schon gar nicht mehr kennt, noch voll in Kraft. In den anderen Provinzen seines Landes sind diese selbstverständlich durch neuere und sinnvollere ersetzt worden. Hier gelten neue und alte Gesetze, Vorschriften und Erlassen gleichzeitig. Sogar die, die seine Vorgänger im Amt erlassen haben, sind noch voll in Kraft! Dadurch ist eine ziemliche Verwirrung entstanden, denn viele dieser Gesetze, Verordnungen und Erlassen sind mit der Zeit vollkommen unsinnig geworden und stehen im Widerspruch zu dem, was der König in der neueren Zeit verkünden ließ. So wissen die Bewohner dieses Landes nicht mehr, an was sie sich halten sollen. Am liebsten würde der König nun pauschal alle Gesetze, Verordnungen und Vorschriften, die älter als 5 Jahre sind, außer Kraft setzen. Aber das geht nicht. Jedes übergeordnete Gesetz, jede Verordnung und jeder Erlaß, auf den er bei seiner Reise trifft und den er als unsinnig und überholt erkennt, muß er einzeln außer Kraft setzen.

Aber die Mühe lohnt sich. Unter den Bewohnern des Landes verbreitet sich große Erleichterung. Immer mehr von ihnen kooperieren mit dem König und bieten ihre Mithilfe an, denn sie erkennen, daß er gekommen ist, Verwirrung und Widersprüche in ihrem Land aufzulösen und ein friedvolles Zusammenleben zu ermöglichen.

Nach seinem einwöchigen Therapieaufenthalt schrieb er folgendes: "...Rita mir entscheidend geholfen hat, meine psychische Gesundheit wieder zu erlangen. Ich fühle mich vollkommen gesund und glaube auch keine weitere Therapie nötig zu haben. Da mein Vertrauensarzt zu seinem Erstaunen das gleiche feststellte, beginnt er sich ernsthaft für die Synergetik Therapie zu interessieren. Vorher war er sehr skeptisch. Es könnte also sein, daß er Kontakt mit euch aufnehmen will."