Forschungsdokumentation aus Einzelsitzungen

Veröffentlicht: Juni 1999
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Sexueller Mißbrauch
Angst-Bild Die Klientin (36 Jahre) leidet seit Jahren an Bulimie. Ihre Beziehungen sind immer sehr chaotisch. Das Verhältnis zu den Eltern ist distanziert. Nach vielen Jahren Gesprächstherapie und Gestalttherapie besteht die Vermutung, daß die Klientin in ihrer frühen Kindheit von ihrem Vater sexuell mißbraucht wurde - jedoch hat sie keinerlei Erinnerungen daran. Nach einer Probesitzung im Synergetischen Therapiezentrum Kamala entscheidet sie sich für die Ausbildung zur Synergetik Therapeutin. Sehr schnell kann der sexuelle Mißbrauch aufgedeckt und bearbeitet werden. Die abgedruckten Sitzungen geben einen Eindruck über den Therapieverlauf. Sie beinhalten Auszüge aus der 4. u. 7. Einzelsitzung.

4. Sitzung:

Die Klientin betritt einen Raum mit der Aufschrift „Gitter“ und entdeckt einen alten Hundekäfig, sowie einige abgenagte Knochen. Sie schaudert.

Th. Therapeut Kl. Klientin
      Kl. Der Hund ist nicht mehr da, alles ist sehr alt. Ich frage mich, wer da einen Hund eingesperrt hat und wie lange das her ist.
Der Therapeut macht den Vorschlag, auf der Zeitachse rückwärts zu gehen, zu dem Zeitpunkt, als der Hund noch da war. Die Klientin ist einverstanden.
      Kl. Es ist ein schwarzer, edler Hund. Ein Dobermann. Du wirkst auf mich edel und arrogant, aber auch gefährlich und bedrohlich. Ich möchte dir nicht ohne Käfig gegenüberstehen. Du guckst traurig, aber ich weiß nicht, wie du so drauf bist. Ich weiß ja nicht, ob du mir als nächstes an die Kehle springst. Aber das tut mir jetzt leid, daß es dir da drin so schlecht geht und wahrscheinlich bin ich die erste, die mit dir gesprochen hat und jetzt schöpfst du Hoffnung, daß ich dich streichle und rauslasse. - Er nickt und kommt etwas näher.
Hundegebell wird eingespielt
    Kl. Ich sehe ein Schild: „Vorsicht bissiger Hund”. Aber ich merke, daß ich das selbst ausprobieren möchte. Ich mache die Tür etwas auf, damit du die Nase durchstecken kannst. Du schnupperst. Du bist eigentlich ein ganz lieber.
Die Klientin wird wütend darüber, daß der Hund hier eingesperrt wurde. Sie spürt seine Einsamkeit.
    Kl. Möchtest du raus? Er sieht mich an und hält den Kopf schief. Er will mit mir mitkommen. - Das finde ich aber nicht so schön. Ich will dich gerne rauslassen, aber mir geht es nicht gut, wenn du mitkommst. Da bekomme ich ein beklemmendes Gefühl im Bauch. Irgend etwas beengt mich, macht mich traurig.
Der Therapeut fordert das beklemmende Gefühl auf, sich in ein Bild umzusetzen.
    Kl. Es kommt jemand mit zwei Grabsch-Händen, eine dunkle Gestalt. – Stopp, bleib stehen, was willst du? Er will mich festhalten. Seine Stimme ist wie eine Computerstimme. Ich will nicht festgehalten werden. Er sagt, doch ich brauche das.
Th. Schau mal wie der Hund reagiert.
Kl. Er will mich beschützen. Vielleicht soll ich ihn mal raus lassen. Er stellt sich jetzt ganz eng an mein Bein und bellt ihn an.
Die Klientin spricht die Gestalt mit den Grabsch-Händen an:
    Kl. Zeige mir doch mal, wo du herkommst oder wer dir diesen Auftrag, mich anzugrabschen einprogrammiert hat.
Die Klientin folgt, zusammen mit dem Hund der Gestalt und wird von ihr zu einer offenen Holztür geführt.
    Kl. Da sitzt ein Zauberer am Tisch und liest ein dickes Buch. An der Wand sind Reagenzgläser. - Hallo. - Er sagt, auf mich hat er gewartet er hat den Roboter programmiert? - Und was willst du von mir? Warum hast du mir den Roboter geschickt? - Er sagt, weil ich weiß, daß dich das anzieht. - Weißt du schon alles über mich? - Ja klar. - Ich fühle mich wie ein kleines Kind, stampfe mit dem Fuß und er nimmt mich nicht für voll.
Stimme wird trotzig.
Th. Ich vermute das kennst du
   
Klientin bejaht.
Th. Stampfe mal in deinen inneren Bildern mit dem Fuß auf und spüre mal, daß du nicht für voll genommen wirst und sieh mal, wer vor dir steht.
Kl. - mit trotziger Stimme –
Mein Vater natürlich.
Der Therapeut macht den Vorschlag, bei der Konfrontation mit dem Vater den Zauberer dabei sein zu lassen.
    Kl. Ja, Zauberer, es wäre nett, wenn du mich unterstützt, wenn ich meinen Vater hole. - Ja, er hilft mir. - Ich fühle mich klein, wie 10 Jahre. Papa, wieso nimmst du mich nicht ernst? Höre mir mal zu. Versuche mal mitzukriegen, wie es mir geht. Ich habe das Gefühl, daß es dich nicht interessiert und ich habe schon keine Lust mehr.
Die Klientin ist durcheinander, trotzig und weiß nicht was sie zu ihm sagen soll
    Kl. Hast du irgend eine Verbindung zu mir? - Er sagt, er hat mich lieb. Er sagt, ich bin etwas besonderes.
– Klientin trotzig: „bla bla bla” -
Mir fällt es schwer, dir das zu glauben. Du bist dicht, total dicht. Du bekommst auch nicht mit, was du selbst willst. Du rennst mit Scheuklappen durch die Gegend und ab und zu explodierst du.
Th. Ich hätte da eine Idee. Wenn er dich wirklich liebt, dann soll er dir eine Szene zeigen, wo du es gespürt hast. Kl. O.K. ich gebe dir ein Chance. Zeige mir doch mal eine Situation, wo du das Gefühl hattest, daß du mich lieb hast.
- Klientin ist erstaunt -
Irgendwie hat er sich mit der Szene vertan. Das ist im Ehebett und das was ich erahne, gefällt mir überhaupt nicht. Da ist ein kleines Mädchen, ich sehe mir das aber von außen an wie ein Röntgenblick durch die Decke, weil darüber ist die Zudecke – Klientin spricht genervt – und darunter ist es dunkel und darunter verstehe ich wirklich nicht Liebe und außerdem ist es heiß und stickig und man bekommt keine Luft. Und überall fühle ich diese Haare, diesen Pelz. – lacht – Er kuschelt sich an das Mädchen. Ich will nicht glauben was ich da sehe. – Klientin ist entsetzt - Er führt sein Glied in ihren Mund, aber zärtlich. Das verstehe ich nicht unter liebhaben.
Th. Am besten gehst du hin und sagst es ihm direkt. Kl. Klopf, klopf, hallo, aufhören! – lacht – Stopp, das verstehe ich nicht unter liebhaben. Die Szene brauchst du mir nicht zeigen. Also, sei froh, daß ich das vergessen habe.
Th. Kleiner Hinweis: Frage mal den Alchimisten, ob das was mit der Grabschmaschine zu tun hat.
Kl. Ja, klar. - Ich kriege kaum Luft, du erdrückst mich mit deinem Scheiß. Ich zieh die Decke weg, runter da, weg da, das tut man nicht, das ist ein kleines Mädchen. Er hat noch den Arm um sie. - Er sagt, die gehört mir. - Die gehört dir überhaupt nicht, sie gehört sich selbst und mach dir mal bewußt, was du da gerade alles kaputt machst in ihr. Das ganze Vertrauen, das sie in die Menschheit hat wird zerstört. Was bildest du dir ein.
Die Klientin ist erregt, ihr fehlen die Worte.
    Kl. Ich habe jetzt noch darunter zu leiden, mein Leben lang. Ja, jetzt wird mir einiges bewußt. Ich bin so nett und schone dich mit der Folge, daß es mir immer schlechter geht. Und dann such ich mir immer Typen, die genauso Scheiße sind, weil ich den Konflikt nicht gelöst habe. Dann kann ich die ganze Kacke ja noch 10 Mal durchmachen.
Th. Frage mal deinen Papa wie oft das passiert ist?
Kl. Würdest du mir freundlicherweise mal erzählen, wie oft das gelaufen ist? – genervt – Zehn bis zwölf Mal. Im Moment spüre ich hauptsächlich Ekel und Respektlosigkeit. Ich verachte dich dafür. Du bist nicht fähig ein Vater zu sein.
Klientin schlägt mit dem Schlagstock auf den Boden und beschimpft den Vater voller Wut und Verzweiflung. Der Therapeut unterstützt die Situation mit dramatischer Musik.
    Kl. Das Mädchen spuckt ihn an. Sie duscht jetzt die ganze Zeit. Ich will deine Augen nicht mehr sehen. Ich habe da kein Bock mehr drauf. Ich bin nicht mehr für dich verantwortlich. Warum hast du das gemacht? Er sagt, ich habe dich doch so lieb. – Die Klientin energisch – Das ist aber falsch! ... Er sagt, vor erwachsenen Frauen ekelt er sich.
Th. Hole mal deine Mutter herbei.
Kl. Mami, Papi macht mit mir Sachen, die zwischen euch laufen sollten. - Sie sagt, ich weiß. Toll, danke.
Die Klientin ist sehr enttäuscht. Sie spricht mit ihrer Mutter über ihre Gefühle
    Kl. Weißt du, wie das für mich ist? - Ich brauche jemanden, auf den ich mich verlassen kann. Du weißt doch, daß es mir schlecht geht, du siehst es jeden Tag. Was meinst du, was mit mir in der Pubertät passiert? Ich bekomme Bulimie, bin immer einsam und kann niemandem vertrauen. Und immer dieses Gefühl, sich total auszuklinken, überhaupt nicht zu wissen, was ist wirklich und was nicht.
Th. Der Alchimist hat das ganze Wissen und er ist ein Anteil von dir.
Kl. Wo ist er denn? Alchimist, du mußt ab und zu zu mir kommen, damit ich nicht vergesse, daß es dich noch gibt. Zeig dich mal. Ich möchte wissen, was ich brauche und was richtig und wichtig ist.
Th. Ich denke, er weiß was du brauchst. Deshalb hat er diesen Roboter gebaut und ihn dir geschickt, damit er dich zu dieser Situation hinführt und du es endlich aufdeckst. Er ist total für dich.
Kl. Ja, das fühle ich. Er ist so weit weg. Ich habe das Gefühl, er testet mich, ob ich reif genug dafür bin, um da hinzusehen.
Th. Hast du das vorher schon geahnt?
Kl. Ich hatte das immer mal wieder aus der Sicht des Babys und hatte leichte Erstickungsanfälle, bin jähzornig geworden und bin ohne Grund auf Papi los und wollte ihn umbringen. Ich konnte es aber nicht einordnen. Irgendwo wußte ich das, hatte aber keine Bilder dazu. Er ist so gestört.
Therapeut fordert zur direkten Kommunikation auf
    Kl. Du bist so gestört, Papi. Ich habe dir ein paar Chancen gegeben und dir erzählt, daß ich Bulimie habe. Du hattest in dem Moment eine Chance. Ich habe dir erzählt, daß ich eine Therapie und Ausbildung mache. Du fragst aber nicht einmal nach und zitterst wahrscheinlich die ganze Zeit, daß ich dahintersteigen könnte. Was geht denn bei dir ab? Hast du Angst, daß ich es irgendwann einmal weiß, was passiert ist? Er sieht nach unten und fängt an zu heulen. Papi nein, diesmal nicht. Ich übernehme nichts. Es tut mir leid, daß du ein Problem hast, aber diesmal schone ich dich nicht. Es wird Zeit, daß du in Therapie gehst. ... Ihr seid traurig und verzweifelt. Scheiße!
Die Klientin ist erregt.
    Kl. So geht ihr halt mit euch um, da seid Ihr selbst schuld. Warum laßt Ihr euch nicht auf Gefühle ein? Mami weint, Papi ist blaß. Papi, was du früher unter liebhaben verstanden hast, war für mich die Hölle. Das hat in mir alles kaputt gemacht. Ich habe in der Kindheit nur geträumt und in der Pubertät habe ich Bulimie gekommen. Ich gehe jetzt meinen Weg. Ich habe jetzt genug Helfer. Sieh dir mal den Alchimisten an. Das ist ein stattlicher, großer, allwissender Papa, so wie ich ihn mir vorstelle. Mein eigener. Und der wird für mich sorgen. Und außerdem habe ich noch den Hund. - Er ist sprachlos. - Und zu dir Mami, ich habe dir vor 4 Jahren gesagt, daß ich mich mißbraucht fühle und daraufhin hast du die Ohren auf Durchzug gestellt und gesagt, ich soll dir nichts mehr sagen. Und seitdem hast du Tinnitus.
Th. Deutlicher geht es nicht mehr. Kl. Mami, ich weiß, daß du mich nicht wolltest, aber ich erwarte, daß du zu mir stehst.
Th. Und sie war nicht für dich da, als dein Vater dich mißbraucht hat.
Kl. - sehr erregt - Du haust immer ab und läßt uns mit Papi alleine. Wenn Papi dich bedroht, schmeiße ich mich dazwischen, damit du nichts abbekommst. Wenn er das mit mir macht, siehst du nur zu. Scheiße!
Klientin wirft ihren Eltern alle möglichen Situationen aus dem Leben vor.
    Kl. Ihr müßt jetzt alleine damit klar kommen. Ich bin nicht mehr für euch zuständig.
Th. Schau mal, wie sie reagieren.
Kl. Sie wollen nicht alleine gelassen werden.
Die Klientin wendet sich in ihrer Ratlosigkeit an den Alchimisten.
    Kl. Er sagt, ich sei doch dadurch ganz schön gewachsen.
Die Klientin verabschiedet sich innerlich von ihren Eltern und geht dann ihren Weg - mit dem Hund als Begleiter.
    Kl. Er ist ein Zeichen für meine runtergeschluckte Wut. Ich bin im Moment mit einem Mann zusammen, da brauche ich den Hund. Hilfst du mir dabei, die Wut dann zu zeigen? Ja, er ist für mich da. Der Alchimist sitzt jetzt mit einer Glaskugel da. Jetzt ist es eigentlich alles ganz schön.
Th. Wie sieht jetzt der Raum vom Anfang aus?
Kl. An der Decke hängt ein Motorrad. Der hintere Teil, wo der Hund war ist jetzt hell und alles ist sauber. - Ich verbinde mit einem Motorrad Freiheit. Durch die Gegend fahren, bei schönem Sonnenuntergang.
 

7. Sitzung:

Die Klientin begegnet gleich zu Beginn der Sitzung einer schattenhaften Gestalt mit Hut und verhülltem Gesicht.
    Kl. Verrate mir gefälligst, warum du mich hier verfolgst - das merke ich doch!
- Er sagt: Ich bin gleich mitgekommen, in deine Innenwelt, damit du nicht an mir vorbeirennst. - Was willst du denn von mir? Oder hast du mir irgend etwas bestimmtes zu zeigen? - Ja, klar, sagt er, ich bin doch ein Teil deines Selbst, ich bin deine Angst.
Die Klientin widerwillig:
    Kl. Ja, gut, dann geh vor und zeig mir mal eine entsprechende Situation.
Sie folgt ihm
    Kl. Also, der hat echt sowas von einem Vampir mit seinem weiten Mantel. - Die Klientin angewidert: Ähhh, die Tür ist ja echt nicht die, die ich mir selbst ausgesucht hätte. Die ist so schmal und schwarz. Die hat genau das Format von so einem Sarg. „Trau dich!“ steht auf der Tür. - Die Klientin meint entschlossen: Ok., ich traue mich jetzt. Ich drücke die eiskalte Türklinke runter, öffne sie und werde geblendet. Ich kann überhaupt nichts erkennen. - Die Klientin dimmt das Licht etwas herunter und spricht dann direkt mit dem Raum. - Ja, Raum ich bin jetzt in dir drin, ich habe mich getraut. Und ich bin jetzt bereit zu sehen, was du mir zu bieten hast. Zeig mir die Angstsituation!
Die Klientin atmet tief durch
    Kl. Es ist plötzlich stockdunkel und ich höre so ein komisches Schnarchen. Deine Wände, Raum sind so schwarz und ich habe das Gefühl, das hat was mit Tod zu tun. Ich komme mir vor wie in einer Gruft.- Sie wird auf ein Doppelbett aufmerksam, geht näher und zieht nach einigem Zögern die Bettdecke weg. - Was ist denn das? Das ist ein Roboter. So Starwars-like. Und da liegt noch ein Engerling - Bäh! Ihhh! Ein riesen Engerling. Was bist du denn für ein ekliger Kerl! Ihhhh! - Der sagt zu mir, ich paß doch wunderbar in deinen Mund. - Die Klientin schluckt. - Scheiße. Ekelig. Die Vorstellung ist schon so ekelig. Es fängt alles an zu jucken. Was macht ihr beiden da eigentlich in dem Bett? - Wir sind ein Paar, wir gehören zusammen, sagt der Engerling. Der Roboter sagt, ich bin starr und will nicht gestört werden. - Ich hatte jetzt sofort die Parallele zu Papi, der nicht aus seiner komischen Vorstellungswelt rausgeholt werden will.
Es taucht eine Situation aus der Kindheit der Klientin auf, wo die Starrheit des Vaters sehr deutlich erlebt wurde. Die Familie sitzt im Auto und befindet sich auf dem Weg zu den Eltern des Vaters. Der Vater der Klientin ist total geladen und die Klientin, sowie ihre Schwester und die Mutter sind innerlich total verkrampft. Der Therapeut fordert die Klientin auf, den Vater mit dem Roboter zu konfrontieren.
    Kl. Papi, guck dir mal diesen Roboter an, den habe ich heute noch in mir. Ich habe den Panzer von dem Roboter immer noch in meiner Brust, daß ich nicht ordentlich atmen kann. Und ich habe ständig Angst. Weißt du, warum? Weil ich dir nicht trauen kann. - Weil du plötzlich jemand anderes bist. - verzweifelt: Ich finde dich irre, ich finde dich total irre!!!
Th. Du hast eben einen Satz gesagt „Weil du plötzlich jemand anderes bist.“ Ist das häufiger bei deinem Vater so, daß er plötzlich jemand anders ist? Was hat er mit dem Engerling zu tun?
Kl. Da merke ich, wie plötzlich so eine Taubheit in meine Beine kommt und ich werde wie so weggezogen.
Th. Bleib da. Und schau mal hin!
Kl. Ich bin plötzlich wieder in dieser Rückenlage. Scheiße!!! Ich fühle mich wieder so ausgeliefert!!! Aua, mein Fuß. Ich merke, daß sich alles in mir verkrampft. Mein Mund geht total zu. Scheiße! Das ist ein Scheiß hilfloses Gefühl. ... Ich laß den Engerling mal kommen. Der steht da links jetzt neben mir. Hallo, Engerling, kannst du mir mal genauer zeigen, was ich hier jetzt zu suchen habe in dieser Situation? Ich will das jetzt mitkriegen. - Ja, es ist wieder dieses Gefühl, so einen Pimmel im Mund zu haben. Papi, laß das. Eklig, schleimig.
Th. Was ist jetzt da oder welche Impulse sind da?
Kl. Ich merke halt, daß ich überhaupt nichts mehr fühle.
Th. Kennst du das, daß deine Gefühle plötzlich alle weg sind?
Kl. Ja, wenn ich Angst vor Männern habe. Ich habe komische Beziehung zu manchen Männern, zu so schizophrenen Männern - wo man nie weiß, wie sie im nächsten Moment sind. Ich hasse solche Männer! Ich finde die so Scheiße!!! Die erinnern mich an meine Hilflosigkeit. Die bringen mich in so eine Starre. Ich bin dann blockiert, ich kann dann nicht mehr handeln. Dafür hasse ich die.
Th. Ja, da kommt Haß hoch. Aber du siehst die ganzen Zusammenhänge. Was du jetzt machen kannst, ist an irgendeiner Stelle einsteigen und handeln. Jetzt bist du in einem Zustand von erstarrt und da kommt nur noch Haß hoch, den kannst du nicht ausdrücken. Du müßtest irgendwo einsteigen jetzt. Entweder auf der Symbolebene, bei dem Roboter im Bett mit dem Engerling, was ja Ekel bedeutet. Das ist wahrscheinlich die Folge von dem Penis im Mund und dem Ekelgefühl.
Kl. Ja, dieser Engerling schaut auch schon genauso aus. - Die Klientin beißt zunächst die Zähne zusammen und schreit dann: Du kommst mir nicht zu nah! Rühr mich nicht an. - schlägt um sich und schreit: Rühr mich nicht an!!!
Die Klientin schreit laut und wiederholt: Weg! Weg! - sie atmet dabei sehr heftig und macht Töne! - Hör auf!!! - Schreit laut und verzweifelt und fängt an, mit dem Schlagstock zu schlagen.
    Kl. Ich hasse dich dafür!!! Du Scheißkerl! Du widerlicher Kerl!!! Rühr mich nicht mehr an! Finger weg. Bäh! Du bist so ekelhaft! Ihhh!!!!! Weg, weg weg!!!! Geh weg! Ich hasse dich! Du Ekel! - schlägt weiter, schreit und wehrt sich. Atmet dabei wieder sehr intensiv.- Ahhhh!!!!! Weg! Raus! Raus hier!!!!!! Raus, du Scheißkerl, du widerlicher Drecksack. Hol dir deine Befriedigung woanders! Du Scheißkerl! Du bist zum Kotzen! -
Der Vater will aus dem Raum rauskriechen, aber die Klientin hält ihn zurück. -
    Kl. Setz dich hin! Guck mich an! - schlägt und schreit: Guck dir an, wie es mir geht! Ich hasse dich. Ich habe kein Vertrauen. Ich vertraue niemandem mehr, wegen dir Scheißkerl. Ich kann keinem Mann mehr vertrauen. Wichser! Ständig dieses scheiß Gefühl im Mund. Ewig habe ich dieses Gefühl im Mund! - schlägt weiter - Ich wollte das nicht.
Th. Wie reagiert er? Schau immer wieder hin, wie er reagiert.
Kl. Er sagt, ich bin am Ende, du hast mich enttarnt.
Die Klientin schreit:
    Kl. Ja, ja ja! Ich habe keinen Bock mehr auf diese Maskerade. Ich bin froh, daß du es endlich mal zugibst. - Er wimmert, ich hab dich doch so lieb. - Scheiße! Wenn du mich liebhast, dann machst du nicht sowas mit mir! Ich bin doch nicht deine Frau oder deine Geliebte. -
Die Mutter wird mit in die Szene geholt. Die Klientin schlägt und fordert die Mutter laut schreiend ein:
    Kl. Sag mir, wußtest du was davon? ... Sie sagt, ich habe es geahnt, aber ich wollte es nicht wissen. - Natürlich, klar! - schreit und schlägt: Ist ja auch bequem - einfach abzuhauen! Und mich hier allein zu lassen mit Papi. Dabei wußtest du es ganz genau. Ich weiß, daß du es wußtest. Weil er dich nicht mehr angefaßt hat. Und seit wann? Seitdem du mich gekriegt hast, stimmt’s? Weil mein komischer Vater, der steht nämlich nur auf Kinder! Weißt du, wie ich mich gefühlt habe? - mit zitternder Stimme - Total alleingelassen! ... Ach was, ich habe gar nichts mehr gefühlt, weil ich nichts mehr hatte zum Fühlen. Da war gar nichts mehr, nichts! Da war alles nur noch schwarz! Immer war alles nur schwarz. - schlägt wieder und fängt an zu weinen.
- Was bin ich eigentlich für euch? Es ist völlig egal, wenn ich vor euren Augen kaputtgehe. Ihr seid immer nur mit euch beschäftigt. Wie lange wißt ihr eigentlich, daß ich Bulimie habe? Seit 10 Jahren? Ihr könnt froh sein, daß ich noch lebe. Aber bestimmt nicht, weil ihr dafür gesorgt habt. Wann habt ihr eigentlich jemals für mich gesorgt? Du bist meine Mutter! Weißt du, was das bedeutet? Das bedeutet, daß du mir gegenüber ein Verantwortung hast. - Daß du akzeptierst, daß ich da bin und daß du auf mich aufpaßt. So! Und das bestmögliche für mich tust! - schlägt - Mach das jetzt! Sie steht da so wie festgewurzelt, aber streckt so die Arme nach mir aus.
Die Klientin fordert die Mutter auf, sie aus dem Schlafzimmer rauszuholen.
    Kl. Und ab jetzt läßt du uns nicht mehr mit Papi alleine. Und mit eurem Sex - macht gefälligst eine Paartherapie, oder was weiß ich. Seht zu, daß ihr befriedigt seid. ... Mami sagt zu mir, komm her mein Schatz, aber sie kommt zu mir, nimmt mich auf den Arm und trägt mich jetzt erstmal ins Wohnzimmer. - Du bleibst jetzt bei mir. - Sie sagt, natürlich, mein Schatz, und streichelt mir über den Kopf.... Danke. ... Paßt du auf mich auf, daß Papi mir nichts mehr tun kann? Sie sagt, Papi wird dir nichts mehr tun.
Die Klientin möchte sich noch einmal mit ihrem Vater auseinandersetzen
    Kl. Papi, warum kannst du nicht einfach normal sein? Du warst auch lustig, es hat auch Spaß gemacht mit dir. Ich weiß nicht, was mit dir los ist, warum du manchmal so anders bist. - Er sagt, er versteht sich selber nicht. Papi, du mußt echt was an dir tun. Ich meine, du leidest da doch selber drunter. Ich meine jedesmal nachher brichst du zusammen und heulst - wenn du uns mal wieder verdrescht hast oder so. Papi, das geht so nicht weiter, du mußt echt für dich sorgen. Und das muß aufhören, daß du uns anfaßt. Das muß echt aufhören. Du machst uns alle unglücklich. Er sitzt da und wackelt so und verspricht, daß er an sich arbeiten wird.
Die Klientin macht jetzt ein Zeitreise durch ihre ganze Kindheit. Sie erlebt verschiedene Szenen aus den unterschiedlichen Phasen jedesmal mit sehr viel Vertrauen und Zuneigung zu ihrem Vater. Sie beschreibt ihr Körpergefühl dabei als ganz offen und frei. Der Therapeut fordert sie auf, noch einmal in die Szene im Auto zu gehen.
    Kl. Also, die ganze Familie sitzt jetzt in einem Käfer. Das ist ja lustig. Die sehen irgendwie aus, wie so ein bißchen verspätete Hippies. Naja, auf jeden Fall, Mami hat so einen touch von „ich bin Frau“. - Sagt mal, wie läuft es eigentlich so in letzter Zeit zwischen euch? Ich hab so wenig gehört in letzter Zeit? - Ja, sie sagen, sie haben die Matratze ausgewechselt, damit es nicht mehr so knarrt. Das ist toll, daß wir einfach darüber sprechen können. Und jetzt muß ich mir Papi angucken. Lustig! Der hat so eine komische Schirmmütze auf und so einen Bart. Tja Papi, ich will ja nicht behaupten, daß dir das gut steht, aber es sieht witzig aus. Ja, so stell ich mir einen Vater vor. Ja, das ist echt stark. Im Autoradio ist so eine Musik an und wir sind alle am Rumträllern. Wow, das ist echt stark! Ja, das ist mein Papa, auf den bin ich auch stolz.
Die Klientin atmet tief durch.
Th. Schau mal, ob sich jetzt auch deine sexuellen Erfahrungen verändern.
Kl. Ja, ich hole mal den Klaus (ihr momentaner Freund) her. ... Ja, es ist ganz anders. Ich bin nicht mehr so klein vom Gefühl her. Ja, aber ich muß mich von dir trennen, du bist nämlich nicht für mich geeignet. Klaus ist es nicht mehr. Damals habe ich mich immer noch kleiner gemacht und alles mit mir machen lassen, nur um dich zu halten. Aber jetzt stelle ich fest, das ist für mich nicht interessant, was du da machst, das finde ich doof. Wenn ich nicht richtig ich selbst sein kann, auch erwachsen als Frau, dann habe ich keinen Bock drauf. Da mußt du dir jemand anderen suchen. Schon wieder so ein Typ der nur auf Kinder steht - Genau wie ein Vater. Tschüs! ... Ich bin jetzt auf einer Wiese. ... Jetzt sehe ich den Engel vom Kamala vor mir.
Schöne Musik wird eingespielt.
Th. Ja, was mich jetzt noch interessieren würde, wie sieht es denn jetzt auf der Symbolebene aus? Geh doch noch mal in den Raum mit dem Roboter und dem Engerling.
Kl. Ja, ich gehe noch mal in den Raum rein. Die ganzen Wände sind jetzt mit Blümchentapeten ausgekleidet. Das Bett ist jetzt so ein Holzbett mit Pfosten. - Klientin lacht. - Also unter der Decke guckt erstmal ein dicker fetter Teddybär raus. Daneben liegt so eine komische Wärmflasche mit dem Kopf von Starwars. Und der Engerling, das ist jetzt ein Fußwärmer - so eine Puschraupe. Und die liegen da jetzt einfach so unter der Decke. Die sind dazu da, daß man sich in dem Bett noch gemütlicher fühlt. - Die Wärmflasche sagt zu mir, du siehst doch, daß ich jetzt ganz elastisch bin. Ja, das bist du auch. Das ist das Gegenteil von der Starre, von dem unbeweglichen, eiskalten, harten, toten Roboter.
Th. Spür mal beim Atmen, wo ist deine Panzerplatte?
Kl. Ja, in dem Moment, wo ich hier so weit atme, kommt die Stimme „Vertraue auf deine innere Stimme“. Und ich spüre auch die Panzerplatte auf meinem Brustkorb nicht mehr, das ist jetzt alles ganz weich. Ich habe jetzt auch noch mal Papi vor Augen, wie er so strahlt. Der Puschel sagt jetzt, he ich bin auch noch da. Ich bin dafür da, daß du zärtlich mit dir umgehst, deinen Körper verwöhnst, schön streichelst. Ich spüre jetzt, wie ich den Puschel so durch das Gesicht streife. Schön. Alles ganz weich.
Die Klientin atmet tief durch. - Sie soll jetzt noch einmal alle Beteiligten im Symbolraum auftauchen lassen.
    Kl. Ja, das ist jetzt ein richtiger Wohnraum geworden. Da ist jetzt auch ein Fenster drin, die Sonne scheint rein. Und da steht jetzt Mister Angst. - sie spricht ihn an - Du bist ja gar nicht mehr schwarz und dunkel. Ich würde mal gerne dein Gesicht richtig sehen. Das Tuch ist eh schon weg. Ja, das ist ein schönes, sanftes männliches Gesicht. ... Oh no! Jetzt erzähl mir nicht sowas. Das kann ich jetzt nicht so glauben. Das kommt mir jetzt irgendwie kitschig vor. Er sagt, ich bin der Mann in dir.
Th. Ok., dein männlicher Anteil hat dir genau diesen Raum gezeigt. Das war toll. Er hat dich auch von dieser besetzten Männlichkeit befreit. Irgend so ein Zusammenhang mag da schon sein.
Kl. Ok., also, du bist mir auf jeden Fall sympatisch. Ok., wir machen jetzt hier ein Frühstück im Bett. Das ist ja geil, daß das geht. Das war jetzt so völlig unbelastet. Essen im Bett. Oh geil, ein richtig leckeres Frühstück im Bett. Alle sitzen im Bett und futtern.- Klientin lacht. - Die Wärmflasche und die Raupe auch. Ach ist das schön hier. Ja.
Th. Ich hab noch eine Idee - laß doch noch mal diesen Alchimisten auftauchen.
Kl. - lacht: Ja, er steht schon da. Hey! Ja, du warst die ganze Zeit da, nicht? Schon auf der Treppe hatte ich den Verdacht, daß du da auch mit dahintersteckst. Und an dich hab ich auch am Anfang der Session ganz kurz gedacht. Du hast mir den vorbei geschickt. Du hast auch den Roboter ins Bett gelegt.
Schöne Musik wird eingespielt. Nach einer längeren Pause bemerkt die Kl.
    Kl. Und vor allem das Gefühl im Mund - der Gaumen fühlt sich so an, als wäre da ein Druck weggenommen worden. - atmet tief durch.
Th. Frag mal, ob deine Bulimie auch verändert ist.
Kl. Ja, sag mal, hat sich das jetzt auch auf mein Essen ausgewirkt? - Ja, er sagt, du hast doch jetzt viel wichtigeres zu tun. Er sagt, ach Marion, du hast doch jetzt soviel Platz in deiner Brust, das brauchst du nicht mehr. - Klientin lacht und schreit: Hu!!! Geil!!!

Die Klientin nach 3 Wochen:

  • Zunächst einmal gebe ich endlich selber Sessions! So traut mir meine Umgebung plötzlich die Reisebegleitung in die eigene Innenwelt zu!

  • Die Beziehung zu meinen Eltern hat sich verändert: Meinen Vater kann ich länger in den Arm nehmen, er hört mir aufmerksamer zu; meine Mutter denkt daran, Sessions bei mir zu nehmen.

  • Meine Angst vor Autoritäten hat sich momentan in Luft aufgelöst; ich bin mir meines Erwachsenseins und meiner Wertigkeit voll bewußt!

  • Ich verspüre im Augenblick keinerlei Angst vor dem Alleinsein und wenn ich Kontakt will, kümmere ich mich unverkrampft und aufgeschlossen darum. Blickkontakte sind dann gewollt und lösen nur noch selten mein scheues Fortschauen aus.

  • Ich respektiere meine, noch vorhandenen Grenzen - bin ja schließlich nicht ‘erleuchtet’ - und wähle meine Beziehungen nun so aus, daß es mir gut geht. Das heißt einerseits ‘Neues ausprobieren’ und andererseits auch mal ‘Nein’ sagen!

  • Ich fühle mich wohl in mir und meinem Körper und finde mich sogar meistens richtig schön, wow!

Mal schauen, wie es weitergeht!!